„The Sunday Post“

Die Tage verfliegen- Zeit ist nur noch ein Begriff. Es scheint die Welt läuft vor sich selbst davon. Auch ich finde keine Ruhe. Die Gedanken rasen in meinem Kopf und die Stimmen werden immer lauter… Es gibt keinen Raum mehr für Stille. Der Geist verkümmert langsam im stetigen Tun ! Wie lange kann das alles noch gut gehen. Wie kann ich das entschleunigen ? Wo soll der Frieden seinen Platz finden?  Nur durch die Stille kann der Frieden seinen Platz einnehmen.

Plötzlich ist sie da. Die Stille-leere Straßen in Mailand, Geisterstädte in China und Japan. Vor ein paare Wochen noch, waren die Strassen voller Menschen. Sie protestierten gegen den Klimawandel- „Our House is burning“ waren auf den Plakaten zu lesen. Während wir nun den Atem anhalten, erholt sich die Natur absurderweise. Weniger Autos, Flugzeuge und auch weniger Produktionsbänder.  Etwas Unvorhergesehenes ist passiert, das alles in eine neue Energie versetzt. Vieles, was für uns selbstverständlich gewesen ist, wird plötzlich bedroht. Unsere Gesundheit!Unser gesellschaftliches Leben !Die Wirtschaft! Alles steht plötzlich in einem ganz anderen Kontext. Wir müssen uns jetzt, um uns selbst kümmern !

Wir sind alle doch auch ein Stück weit mißtrauischer geworden -was Information und Nachrichten betrifft. Wollen wir uns auf das verlassen , was wir hören und unsere Gesundheit riskieren?
Es wird noch eine ganze Zeit dauern, bis wir das Ausmaß der Veränderung begreifen, die uns bevorsteht. Eines ist nämlich klar. Diese Krise wird uns noch eine ganze Zeit beschäftigen. Vielleicht wird sie auch ein Teil unseres Alltags in der Zukunft bestimmen.

Ein Gedanke beschäftigt mich in diesem Zusammenhang. Ist das eine Chance für uns ? Das hört sich für den Einen oder Anderen vielleicht absurd an, doch ich bin davon überzeugt, dass wir in solchen Situationen Dinge begreifen, die wichtig sind für uns und unser Leben. Nicht passiert ohne einen Grund-davon bin ich überzeugt.

Wenn ich mir die Nachrichten ansehe dann habe ich das Gefühl das wir zum entschleunigen gezwungen werden. Was passiert mit uns, wenn wir eine Weile nicht zur Arbeit, in die Schule, zu Konzerten, Messen oder zu Großveranstaltungen gehen? Wir Zuhause bleiben und wir plötzlich mehr Zeit habe.  Wäre das jetzt nicht der CoronaVirus der uns dazu zwingt, dann wäre das doch ein Geschenk- oder ?

Life
„We are where we need to be“

Vieles was wir oft erleben, ist nicht das was es wirklich ist.  Was wir erleben ist in Wahrheit-das was wir erleben sollen. Wir müssen jetzt genau da sein, wo wir sind. Die Frage warum ist überflüssig, denn alles passiert aus einen bestimmten Grund. Wir werden gerade auf uns selbst zurückgeworfen. So schrecklich und beunruhigend eine Pandemie aus ist, es ist ein Weckruf! Wir können nichts schönreden, wegsehen oder bagatellisieren. Die Strassen sind leer. Die Schulen geschlossen. Die Krankenhäuser überlastet. In diesem Augenblick hält die Welt den Atem an. Wir schauen mit großer Sorge in die Welt und schütteln den Kopf.  Jetzt erkennen wir, wer wir sind. Ein Dilemma weltlichen Ausmaßes. Keiner kann sich entziehen. Auch keine Schuldzuweisungen helfen- nicht wahr Mr. Trump ! Was mit uns passiert ist kaum zu begreifen. Wir begreifen jetzt, wie sehr wir alle voneinander abhängig sind. Die Lösung dieser Situation kann also auch nur gemeinsam gefunden werden. Wir müssen nun gemeinsam Stärke zeigen. Jetzt sehen wir, wie mutig und entschlossen wir als Weltgemeinschaft tatsächlich sind.
Vor wenigen Wochen standen unsere Kinder mit Schildern in der Hand auf den Strassen unserer Städte ,um für den Klimawandel zu demonstrieren. Dort wo wir beim Weltklimagipfel keine Einigkeit und Entschlossenheit gezeigt haben, bekommt die Weltgemeinschaft nun einen Denkzettel verpasst.

Die Natur kann sich einen Moment lang erholen. Die Strassen und Städte sind leer gefegt. Die Bahnhöfe gleichen einer Geisterstadt. Der Flugbetrieb wurde auf ein Minimum heruntergefahren. Und wir ? Was tun wir ? Wir halten unsere Kinder und geliebten Menschen fest in den Armen und geben uns Kraft, Liebe und Hoffnung.  Wir stehen zusammen und versuchen einfach nur zu begreifen, was wäre wenn wir nun alles verlieren würden, was wir so sehr lieben. Die einen oder anderen Menschen werden jetzt begreifen, wie selbstverständlich wir vieles in unserem Leben genommen haben. Nichts ist selbstverständlich !
Ist es vielleicht gerade jetzt die Zeit mal „in sich zu gehen“. Wir haben die Chance auf den „inner-reset-button“ zu drücken.
Wir haben uns nie die Zeit für uns selbst genommen. Zu viel Arbeit, Termine, Erwartungsdruck oder große Ziele, die wir uns selber gesteckt haben, brachten uns immer weiter weg von uns selbst. Nicht stehen bleiben ! Nicht aufgeben ! Arbeite immer härter, als den Tag zuvor. Werde größer, reicher, schneller, besser, gesünder undschöner…. Was für ein Irrsinn, oder ?

Und jetzt DAS ! Viele sind unruhig, nervös und manche sogar panisch. Keiner hat uns auf so eine Situation vorbereitet. Zu Recht machen wir uns Sorgen ! Wie können wir das schaffen- fragen sich viele. Was ist wenn ich krank werde, meine Kinder, mein Partner oder meine Eltern. Wie können wir finanziell überleben. Die Wirtschaft bricht zusammen. Wir stehen vor einer gewaltigen Rezession ! Die Situation scheint von Tag zu Tag dramatischer zu werden.

Wir werden auf das Elementarste zurückgeworfen. Auf uns selbst !  Ich muss das einfach noch mal sagen. „Wir stehen jetzt da wo wir sein müssen“ !

Ich wünsche mir vom ganzen Herzen, dass wir alle mit einem „blauen Auge“ davon kommen.  Im tiefsten meines Herzens glaube ich, dass dieses Ereignis unser Leben und unsere persönliche Perspektive auf die Zukunft positiv verändern wird. Unsere Welt steuerte auf eine selbstgemachte Katastrophe hin, die vielleicht noch schlimmer ausgegangen wäre, als das was nun vor uns steht.

Nun sitzen wir da uns halten den Atem an. Es wird still. Eine Stille, die vielleicht nicht jeder kennt. Eine Stille an die sich man einer erst gewöhnen muss.  Aus meiner Sicht der Dinge kann ich Euch nur sage: Lasst die Stille zu.  Wenn ihr das euch selbst erlaubt, so wird Euch bald ein Gefühl des „endlich ausatmens“ überraschen. Vielleicht habt ihr auch bald das Gefühl, innerlich ruhiger und klarer zu werden.

Wenn wir uns nun in uns zurückziehen und mal reinhören, was uns wirklich bewegt, was uns beschäftigt und wen wir gerne an unserem Leben teilhaben lassen möchten. Gibt es einen besonderen Menschen, den du jetzt vermisst ? Vielleicht hast du im Sinn, jemanden anzurufen und demjenigen etwas zu sagen, was du nie übers Herz gebracht hat. In solchen Momenten zeigt sich dein Wesen. Dir wird klar, was für dich wichtig ist und was dich glücklich macht.
Ich bin sicher, dass wir  alle diese Situation, in der wir nun alle auf uns selbst zurück geworfen worden sind, positiv nutzen können.
Wir haben nun die Gelegenheit unser Leben neu zu fokussieren. Es neu zu definieren.

Was hindert uns im alltäglichen Leben mutige Entscheidungen zu treffen ? Es ist das Ungewisse, welche uns Angst macht. Wir Menschen sind bequem und oft zu lethargisch um uns auf das Abenteuer „Leben“ einzulassen. Dafür müssen wir unsere Komfortzone verlassen und das macht uns Angst. Es verunsichert uns.

Nun sind wir durch den Coronavirus gezwungen uns genau in diese Situation zu begeben, die vielen von uns Angst machen. Zuhause bleiben, keine Freunde treffen. Restaurants und Bars sind zu. Wir können nicht in den Flieger steigen und abhauen. Warum als diese Chance nicht nutzen und die Gelegenheit nutzen um sein Leben und seine persönlichen Algorithmen hinterfragen. Neue Chancen erkennen und sein Leben neu definieren. Warum nicht, seine Perspektive ändern ?

Life
Begegne dem, was auf dich zukommt nicht mit Angst, sondern mit Hoffnung !

Jetzt wird sich zeigen, wie menschlich wir sind. Was bedeutet uns Menschlichkeit, Humanität und Würde. Das sind Grundpfeiler meiner Erziehung. Sind diese nicht ein Stück weit in der heutigen Gesellschaft verloren gegangen ? Ist so eine gesellschaftliche und wirtschaftliche Krise nicht die Chance sich wieder auf das Wesentliche zu besinnen ?

Bleibt gesund und passt auf Euch auf !

Euer

Hardy

 

 

 

 

5 thoughts on “„The Sunday Post“

  1. Viel zu lange schon leben wir am Leben vorbei. Wir haben unser Menschsein aufgegeben…

    aufgegeben für ein Leben auf der Überholspur… ein lautes Leben voller Hektik, ein Leben für die Arbeit, für die Karriere, für Geld, Besitz, Macht, Ruhm, Ansehen, Ablenkung… ein Leben voller Egoismus und Stolz, ein Leben mit allzu verlockenden Zielen vor Augen.

    Auf dem Weg dorthin haben wir so vieles mit Füßen getreten…

    Und jetzt?
    Jetzt zwingt uns ein winziger Virus in die Knie.
    Auf einmal sind wir gar nicht mehr so groß und mächtig, wie wir uns immer vorkamen.
    Auf einmal kann es ganz schnell mit unserem Leben vorbei sein…

    Welchem Leben? Soll das schon alles gewesen sein? Alles, wofür wir auf dieser Welt sind?…
    Wohl kaum!

    Auf einmal realisieren wir, dass das, was uns bis vor kurzem noch so wichtig und sinnvoll erschien, nicht der Sinn des Lebens sein kann.

    Auch wenn es absurd klingt:
    Unserer Welt konnte tatsächlich nichts besseres passieren als dieser plötzliche globale Virus.

    Er ist wie eine Notbremse.

    Er gibt uns die Chance innezuhalten.

    Er gibt uns die Chance zu erkennen wie schnell alles vorbei sein kann…
    und wie zerbrechlich und kostbar unser Körper und unser Leben sind – sie sind ein Geschenk!

    Er gibt uns die Chance unser Leben und das der anderen schätzen zu lernen…
    und uns neu in uns und unser Leben zu verlieben.

    Er gibt uns die Chance zu überlegen, was wirklich wichtig ist in unserem Leben.

    Er gibt uns die Chance über den Sinn unseres Lebens nachzudenken.

    Er gibt uns die Chance umzudenken.

    Er gibt uns die Chance unser künftiges Leben mit mehr Sinn zu füllen…
    und die Welt zu einer besseren zu machen.

    Ich wünsche mir, dass sehr viele diese Chancen für sich und ihr Leben erkennen und nutzen…
    denn das Leben meint es gut mit uns!

    Liebt Euer Leben, genießt den Frühling und bleibt gesund!!

    1. Ich bin auch davon überzeugt dass diese Pandemie eine große Chance für uns als Gesellschaft und als Weltbürger bedeutet. Die Schere zwischen Reich und Arm ist immer größer geworden und hätte vielleicht irgendwann zu einem Krieg geführt. In diesen Zeiten des Coronavirus, sind wir alle gleich. Wir müssen zusammenhalten, um diese Krise zu überstehen. Wir Weltbürger müssen gemeinsam eine Lösung finden und für einander da sein. Jetzt haben wir die Chance Humanität und Solidarität zu leben und nicht nur davon zu sprechen!

  2. Lieber Hardy,

    wie immer treffend formuliert. Wir befinden uns in einer Zeit, in dem existenzielle Ängste aufflammen und unseren Fokus auf das Wesentliche lenken. Es zeigt sich klar und deutlich, dass nichts auf dieser Welt selbstverständlich ist. Die neue ungewohnte Stille ist für Ungeübte eher schwer auszuhalten. Je stiller es im Außen wird, umso lauter wird die Stimme der eigenen Seele. Für mich ist die Meditation ein wichtiges Werkzeug, um meine innere Unruhe immer wieder in die Balance zu bringen. Denn nur, wenn wir bewusst mit uns umgehen, und zwar ganzheitlich, physisch wie psychisch gleichermaßen, dann haben wir die Kraft und den Mut, unsere Ängste zu überwinden. Eines steht fest: Diese Pandemie ist bereits ein Teil unserer Geschichte. Ingeborg Bachmann hat einmal gesagt: „Die Geschichte lehrt dauernd, aber sie findet keine Schüler.“ Mittlerweile wächst die Gruppe der Schüler, sie ist aber noch nicht groß genug. Der Mut zum Umdenken ist für uns alle überlebenswichtig. In dieser Krise können unsere Politik und Wissenschaft sich beweisen. Ich hoffe inständig, dass alle Beteiligten ihren Auftrag ernst nehmen!

    Kraftvolle Grüße,
    Larissa

  3. Schönen guten Abend !

    Ich würde mir wünschen
    2020 wird als das Jahr in die Geschichte eingehen , in dem Politik und Wissenschaft zugeben müssen , daß Berufe , die seit Jahren für Personalmangel , geringe Wertschätzung , unbezahlte Überstunden und vergleichsweise niedrige Bruttolöhne bekannt waren , Systemrelevant werden !

    Eine gute Zeit für alle hier und trotz allem nicht vergessen zwischendurch auch mal zu lachen 🙂

    Liebe Grüße dine

  4. Lieber Hardy,
    das sind tolle Worte, die du nieder geschrieben hast und es steckt eine Menge Wahrheit darin!!!
    Ich bin auch Jahrgang 68 und habe zwei Kinder im Alter von 17 und 20 Jahren. Die sehen es zwar die Vorsichtsmaßnahmen als etwas übertrieben an, was ich ihrem jungen Alter gegenüber entschuldige. Aber, wir als Eltern versuchen täglich ihnen beide mehr Vernunft in dieser Sache zu vermitteln.
    Schauen wir mal, was die Zukunft betrifft noch so kommen wird.
    Die Hauptsache ist, dass unsere Eltern,Großeltern und gesundheitlich angeschlagene Mitmenschen diese Krise gut überstehen werden.
    Ich wünsche dir und deinen Angehörigen alles Gute, vor allem aber natürlich Gesundheit.
    Einen wunderschönen guten Start in die neue Woche wünsche ich von Herzen.

    Lieben Gruß,
    Ina.

Ich freue mich über Eure Kommentare! Euer Hardy