The Sunday Post 13.Oktober

Sonntag mit einem „Schubs“ 😉

 

Was kann man an einem Sonntag Morgen tun, wenn der Herbst vor der Tür steht und man sich am liebsten den ganzen Tag unter der Decke verstecken will ? Filme schauen, Buch lesen, was Leckeres kochen &  wieder einschlafen und den Sonntag in vollen Zügen mit seinem Lieblingsmensch an seiner Seite genießen will.   Ich sitze wieder an meinem Lieblingsplatz und folgen meinen Gedanken und lasse die Woche wieder vor meinem inneren Auge vorbei ziehen.  Ein Moment der stillen Reflexion.  

Dieser Moment der Stille und des „Insichhineinhorchens-ist  sehr wichtig für mich, denn nicht selten übersehen wir sonst  wichtige Signale im Alltag.  Der Alltag hat die lästige Angewohnheit dich in Banalitäten einzuhüllen, dass ich manchmal die wesentlichen und wichtigen, schönen und inspirierenden Dinge vergesse und nur funktioniere. Der Alltag lässt dich manchmal das „Leben“ vergessen. Wach und aufmerksam, neugierig zu bleiben… ist oft nicht so einfach.

Ich habe aber festgestellt, dass es viel mit  Dankbarkeit und Achtsamkeit zu tun hat. Auch wenn es oft schwierig und kompliziert ist, so müssen wir uns doch immer wieder daran erinnern, dass wir ein privilegiertes Leben leben. Es ist nicht immer leicht und wir müssen alle viel leisten, doch wir haben alle  die Möglichkeiten jeden Tag die Welt neu zu erobern. Wir können denken und sagen-was wir wollen. Jeden Tag haben wir die Chance neu Möglichkeiten für uns zu entdecken. Unserer Kreativität ist im Grunde genommen keine Grenzen gesetzt.  Wir können unserem Leben immer wieder neue Impulse geben.

Die Erinnerungen schaffen….

Bei diesem Satz habe ich darüber nachgedacht, was Impulse im Leben für eine Bedeutung haben. Was hat jeden von uns charakterlich geprägt? Was hat unsere Leben geformt.? Welche Impulse haben vielleicht kleine Weichen in unserm Leben gestellt?  Alles was wir tun, scheint aus unseren Entscheidungen heraus gelenkt worden zu sein. Ich bin mir allerdings nicht so sicher, ob das wirklich stimmt.  Alle Entscheidungen in unserem Leben fällen wir entweder aus Angst oder Lieben, nicht war ? Aber ist es nicht so, dass diese Entscheidungen aus einer Reaktion auf Umstände in unserem Leben basieren ? Aktion – Reaktion.

Als ich darüber nachdachte, schossen mir viele Gedanken durch den Kopf- Bilder aus der Vergangenheit, Gesichter, Menschen und Situationen.  Unglaublich wieviel so passiert…in einem Leben. So kam ich auf die Idee, mal in mich zu gehen und den ersten gespeicherten Moment in meinem Leben zu suchen. Was ist der erste Moment, an den ich mich erinnern kann.  Das hat einige Zeit in Anspruch genommen. Eine Reise in die Vergangenheit.  Vieles hatte ich schon vergessen. Menschen den ich begegnet bin, Freunde, Weggefährten.  Aber dann war er plötzlich da!…der Moment, der am weitesten zurück liegt. Meine erste Erinnerung !

Vielleicht habt ihr an diesen Sonntag Morgen einen Moment für Euch und taucht  mit mir in diesen Gedanken ein. Denkt mal darüber nach, was Eure erste Erinnerung in Eurem Leben ist. Es wird eine Weile dauern, bis Ihr ihn gefunden habt. Auch ich musste eine Weile darüber nachdenken.  Je länger ich darüber nachdachte, desto tiefer tauchte ich in mein Unterbewusstsein ein und stellte fest, dass dieses erste gespeicherte Bild… sehr prägend für mein weiteres Leben war. Weniger von der Situation, als vielmehr von dem Gefühl, was es in mir hinterlassen hat.

Für die Zukunft …

Ich erinnere mich an mein Kinderzimmer in dem Haus, in dem ich geboren wurde.  Ich wachte in meinem Kinderbett auf, die Sonne schien durch die grünen  Lamellenfenster, die auf den Lugano See schauten. Ich kann das Wasser und die Vögel hören. Der See hat ein ganz besonderen Duft. Er riecht nach frischen, klaren Wasser, leichte Wellen schlagen an die Außenmauer unseres Hauses in Gandria. Es war ein heißer Sommer in Tessin. Der Duft von Zypressen und Blumen lag in der Luft. Mein Kinderzimmer lag im ersten Stock des dreistöckigen Hauses…das sich direkt im Hang, am Ufer des Lugano Sees verstecke. Dieses wunderschöne Haus war nur vom Wasser aus zu sehen. 

In meinem kleinen Zimmer das soweit ich mich erinnern kann… Wände aus grünen Stoff besaß, war schön kühl. Ich stand in meinem Gitterbett und vernahm nur eine seltsame Stille. War ich alleine ? Würde mich jemand hören, wenn ich rufen würde. Ich fühlte mich seltsam. Vielleicht war das ein Gefühl von Einsamkeit. Ich war mir nicht sicher.  Als Kind hat man immer das Urvertrauen, dass meine Mutter oder Vater in deren Nähe sein müssen. So machte ich mir nie Gedanken über die Einsamkeit. Den diese Gefühl prägte meine Kindheit.  Sie stellte aber nie eine Gefahr dar. Sie machte mir auch keine Angst. Nein- dieses Gefühl der Einsamkeit hatte für mich immer etwas beruhigendes. Stille ist für mich ein Zustand der Zufriedenheit. So fühlte ich mich in der Einsamkeit nie alleine. Das mag vielleicht seltsam klingen, doch später mit fortschreitenden Alter…erkannte ich, dass ich mich unter Menschen oftmals viel einsamer fühlte, als wenn ich ganz allein für mich war. Wenn ich meine Gedankenwelt jemanden mitteilen wollte-so stellte ich fest, dass mich niemand verstand. Ihr Gedanken waren ganz andere als meine. Also zog ich mich lieber in meine Welt zurück.

Wenn ich so in meiner Welt war, vergaß ich oftmals die Zeit, was oft schwere Strafen meiner Eltern nach sich zog. Ich hatte als Kind schon immer das Gefühl, dass ich in zwei Welten leben kann. Kinder haben ja eine grenzenlose Fantasie. Für mich war die Gedankenwelt mein Rückzugsort, wenn sich wieder alles um mich herum veränderte- Neues Land, neue Schule  und anderes Zuhause. Unsere Leben war wie eine Zirkus Karawane. Sie war immer in Bewegung. Wir zogen von einem Ort in den Nächsten. Wir zogen durch die Welt…Tansania, Spanien, Italien, Deutschland. Eine Reise die gefühlt nie zu Ende gehen sollte. Ich hatte wundervolle Orte gesehen, besuchte immer wieder neue Schulen und begegnete interessanten Menschen. Auf all diesen Reisen hatte ich mein Zuhause immer dabei. „Meine Welt“ nahm ich überall hin mit. Wie sagte mein Vater immer „mit den Kopf in den Wolken und den Füßen auf dem Boden“.

Ich soll ein sehr fröhlicher und verträumter Bube gewesen sein. Mein Vater nannte mich so. Bube 😉  Was soll nur aus dem Buben einmal werden, sagte er  kopfschüttelnd zu meiner Mutter. Sie lächelte nur und nahm mich tröstend in den Arm. Mein Vater hatte durchaus Recht! Ich war ein Träumer und bin es auch heute noch… irgendwie. Heute sind aus meinen Träumen Visionen geworden. Aus Visionen, Ziele ! Ich kann heute behaupten, dass ich die Träume, die ich als Kind hatte- heute lebe !

Dieser Ort- der Ort der Träume, war ganz wichtig für mich, als Kind.  Ein Ort der Hoffnung und des Trostes, des Glücks und der Leichtigkeit des Lebens…ein Leben was oft sehr traurig und schwer war. 

Zurück in meinem Kinderzimmer. Diese Stimmung, die Sonne die durch die Lamellen meines Zimmers schien, der Duft des Sommers und dieses Gefühl der Stille und Zufriedenheit ist das Bild, welches man als mein Wesen bezeichnen könnte.  Das ist auch das…was ich sehe und was mein „Ist – Zustand“ ist…wonach ich lebe. Wenn ich diese Gefühle in mir trage, bin ich genau da, wo ich sein will und wo ich hingehöre. Es hat eine ganze Weile gedauert- bis ich dieses Gefühl wieder gefunden habe. Es war ein sehr langer Weg zurück. Viele Jahre bin ich suchend durch die Welt gelaufen. 

Manchmal gibt es Momente im Leben, da  wünscht man sich die „good old days“ zurück.  Nicht um das erlebt noch mal zu erleben, nein. Sondern um das Gefühl wieder zu finden, was man vielleicht auf dem Weg des Erwachsenwerdens verloren geglaubt hat. Sich erinnern- an das!was man ist.

Plötzlich hörte ich ein Motorboot, das sich dem Haus nähert… es gleitet langsam über den Lugano See, verringert seine Geschwindigkeit, bis nur noch ein leichtes blubbern zu hören war. Dann verschwand der Klang des Zweitakters im Bauch des Hauses. Ein Glücksgefühl überkam mich und ich wusste,  dass mein Vater gerade nach Hause gekommen war. 

Er fuhr morgens gerne  mit dem kleinen Riva-Holzboot über den See. Ich wusste nie…wo er war, aber glücklich war er, wenn er mich in dann in seine Arme nahm.  Auch das ist ein Gefühl, was für mein Leben prägend war. Diese Momente des Glücks waren und sind die, die jeder Mensch sich wünscht. Besonders unsere Kinder. 

Das Leben scheint manchmal wie ein klassisches Hollywood Drehbuch.  Die Helden unser Geschichte, leben in der perfekten Welt.  Doch dann kommt der Tag, da dreht sich die Geschichte und die perfekte Welt ist bedroht. Die Protagonisten versuchen die Welt noch zu retten, doch sie zerbricht. Dann kommt der Tag der Entscheidung. Um die Welt wieder ins Gleichgewicht zu bringen, müssen sie sich gegen den Rest der Welt auflehnen. Ein Kampf den sie nicht gewinnen können. So sieht es aus. Doch am Ende schaffen sie es doch. Gegen aller Erwartungen siegt das Gute dann doch und die Welt ist wieder in Ordnung. Es bleiben Narben, aber das Gute hat gesiegt.

Wenn wir uns manchmal auf so eine kleine Reise begeben, fallen uns wieder viele Situationen und Erlebnisse ein, die sehr wichtig für uns waren.  Ereignisse, die unser Leben einen Schubs gegeben haben. Ich denke, dass wir weniger in der Vergangenheit leben sollten und uns auf das „hier und jetzt“ konzentrieren sollten, doch wir sollten uns immer wieder ins Gedächtnis rufen, wo wir herkommen und wer wir sind. Es hilft uns fokussiert zu bleiben.  Wir haben ja das große Glück, jeden Tag zu einen besonderen Tag zu machen. Jeden Tag haben wir die Chance unser Leben wieder einen Schubs zu geben.

Es liegt alles in Deiner Hand…

Was für die Erinnerungen in der Vergangenheit betrifft, so gilt das aber natürlich erst recht für die Zukunft. Wir haben die Chance uns die Erinnerungen für die Zukunft zu schaffen. Diesen Gedanken finde ich unglaublich spannend.  Dass was wir heute denken und fühlen. Die Entscheidungen die wir für unser Leben treffen, werden die Erinnerungen von Morgen sein.  Heute können wir entscheiden, was wir aus unseren Träumen, Visionen und Gedanken machen. Heute und hier im Jetzt stellen wir schon die Weichen für das… was morgen passieren wird.  Wir kreieren die Erinnerungen von Morgen.  Na das sind doch schöne Aussichten, oder ? Das bedeutet natürlich auch, dass wir uns über diese Verantwortung bewusst werden. Das liegt alles in unseren Händen. Nicht nur für unser eigens Leben, sondern für all das, was um uns herum geschieht.

Denke an das Hollywood Drehbuch. Ihr habt das jetzt in Euren Händen und könnt die Entwicklung der Geschichte bestimmen. Ihr seid für die Besetzung der Protagonisten verantwortlich. Ihr schaft die Emotionen, die Bilder, die Umgebung die Stimmung und untermalt all das mit Eurer Musik.  Von was lebt Euer Film ? Das ist eine interessante Frage, nicht war ? Was treibt Eure Geschichte an ? Welches Gefühl ist das, was Euch antreibt. Ist es die Hoffnung, Liebe, Sehnsucht oder das Glück ?

Sind  Sonntage nicht der perfekte Tag um sein Lebensfilm eine neue Wendung zu geben ? Vielleicht steht ihr jetzt auf und überlegt Euch etwas zu machen, was ihr noch nie vorher gemacht, gesagt, oder gedacht habt. Vielleicht ist es dieser Sonntag, der eure Leben einen „Schubs“ gibt. Ist das nicht ein inspirierender Gedanke ?

In diesem Sinne wünschen wir Euch einen inspirierenden Sonntag…

 

PS
Ich möchte aber dazu sagen, dass all diese Dinge nur funktionieren, wenn ihr sie euch analog umsetzt. Für mich ist es schon immer wichtig gewesen Menschen zu begegnen. Auf Augenhöhe. Ich will wissen, was sie bewegt, wie sie leben, denken und träumen. Mein Interesse hat nichts mit Zuneigung als vielmehr mit Neugier zu tun. Wie kann ich die Welt verstehen, wenn ich die Menschen nicht begreife. Zugegeben maßen fällt mir das nicht immer leicht. Vieles kann ich nicht verstehen. Aber das ist das Leben. Die Geschichten und Handlungen von Menschen formen die Welt. Sie ist immer in Bewegung. Ich könnte all diese Dinge nicht begreifen, würde ich mich Menschen verschließen. Wären sie mir gleichgültig, dann wäre ich kein liebender Vater, kein stolzer Ehemann und kein Freund. Ich weiss nicht wirklich, ob ich noch ein Freund der Menschen bin, aber ich weiss:… ich werde immer neugierig bleiben. Das liegt in meiner Natur 😉 Ich habe aber festgestellt, dass vieles sich verändert hat, seitdem wir in einer digitalen Welt leben. Die Realitäten von Menschen, haben oft nichts mit der Realität zu tun. Sie begegnen sich nicht mehr, wie wir das früher getan haben. Die digitale Welt lässt die Menschen immer mehr vereinsamen. Follower und Likes…eine Welt ohne Content und Fotos mit Filter ! Ich musste lernen, dass Menschen sich durch diese digitale Welt verändern. Wir müssen uns schützen und können nicht das tun… was Menschen so tun, wenn sie anderen mal in die Augen sehen wollen. Das ist sehr traurig und hat zur Folge, dass man sich immer mehr zurückzieht und die Begegnung mit Meschen meidet. Das ist schrecklich ! Die Insel auf der wir leben, wird immer kleiner. Somit ist es immer wichtiger, dass wir uns ein gesundes und positives „Zuhause“ schaffen, wo nur die Menschen willkommen sind, die „Mensch“ geblieben sind. Die sich nicht in digitalen Welten verlieren und ein ehrliches und gutes Leben leben.

 


 

3 thoughts on “The Sunday Post 13.Oktober

  1. Obwohl Du uns nicht kennst, breitest Du Dein Herz vor uns aus…
    und zauberst mit Deinen Erzählungen die schönsten Bilder in unsere Köpfe…

  2. Ich kann Gaby nur zustimmen: Ein exzellenter Beitrag, der mir absolut aus der Seele spricht.

    Dieser „Sunday Post“ hat mir meine Pause definitiv versüßt! Ein Viertelstündchen noch, dann gehe ich wieder raus zu den Menschen – mit Euren Gedanken, lieber Hardy und liebe Alice, im Hinterkopf. Folgendes Zitat wirkt bei mir grad noch nachhaltig:

    „Wie kann ich die Welt verstehen, wenn ich die Menschen nicht begreife.“

    … eine wichtige Lebenslehre!

    Es ist eine gute und berechtigte Frage, ob unser Lebensweg nur auf unseren Entscheidungen basiert. Eine Antwort bekommt man schnell, wenn man die „Nicht-Entscheidungen“ mal näher betrachtet. Zögert man zu lange, dann nimmt einem das Leben öfter mal die Entscheidung ab – manche nennen es Schicksal …

    … also ich geh‘ dann mal, nehm‘ mein Leben in die eigenen Hände …

    Einen wunderschönen Sonntag,
    Eure Larissa

  3. WOW…. was für ein schöner Beitrag…. so viel Herz, so viel Seele! Es sind doch die Erinnerungen, Erfahrungen, gute und schlechte, schöne und schmerzvolle …meine Leben eben, das mich begleitet und mich geformt hat, um der Mensch zu werden, der ich heute bin. Und mein Gefühl ist die Hoffnung, die Zuversicht und die Sehnsucht und schlussendlich die Liebe und das Glück!!

    Alles Liebe und schönen Sonntag für Euch und ALLE, die mitlesen!!!
    Gabi

Ich freue mich über Eure Kommentare! Euer Hardy