„The Sunday“ 29. April

Wie unterschiedlich die Wahrnehmung der Menschen doch ist. Wie eine gute Unterhaltung auch ohne Worte auskommen kann und das Vergangenes mit dem was vor uns liegt, nicht wett zu machen ist, war die Erkenntnis der letzten Wochen. Zugegebenermaßen war ich ziemlich aufgeregt und nervös meine Geschichte, die mich das letzte Jahr über begleitet hat unter die Menschen zu bringen.
Meine Figuren begleiteten mich jedoch immer. Ich bin mit ihnen aufgestanden und mit ihren letzten Gedanken am Ende des Tages wieder eingeschlafen. Sie sind ein Teil meines Lebens geworden. Egal wohin ich ging, sie waren immer in meiner Nähe.
Am 12. April war es dann soweit. Ich stellte David, Laura, Familie Mazzini, Signora Martinelli und die lustige Schwester Camilla der Öffentlichkeit vor.
Erstaunlicherweise gab es viele, die ihnen schon begegnet waren. Leser, die das Buch am Tag der Veröffentlichung schon in den Händen hielten.

Wunderbare Begegnungen

Die Lesetournee meines Debütromans „Der Leise Ruf des Schmetterlings“, startete in München und führte mich anschließend durch viele Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Alle Lesungen waren ausverkauft. An dieser Stelle möchte ich mich bei Hugendubel, Thalia und bei Orell Füssli in Zürich bedanken. Ich wusste nicht, was mich erwartet. Und da ging es mir nicht anders, als vielen interessierten Gästen der Lesung. Sie wussten auch nicht, was sie erwartet. Wie ich feststellte, war ihre Wahrnehmung – was meine Person betrifft –  eine völlig andere, als ich erwartet hatte und führte dazu, dass sie nach der Lesung zu mir kamen und kein Wort über die Lippen brachten. Ihr Augen sahen mich an und sie machten einen etwas angestrengten Gesichtsausdruck. Sie suchten nach Worten, um das zu beschreiben, was sie gerade erlebt hatten. Es war wirklich rührend, als sie nach einer gefühlten Ewigkeit ein „Wow!“ heraus brachten. Manchmal hörte ich auch ein leichtes schluchzen. Ich war ebenfalls so gerührt von den anderen Reaktionen. Es handelt sich nicht um eine triviale Geschichte, sondern fordert den Zuhörer auf, sich auf die geschriebenen Wörter auch einzulassen. Wenn man das Buch in der Hand hält und sich an einem ruhigen Ort zurückgezogen hat um in Ruhe zu lesen, ist das eine Sache. In einem Raum mit vielen Menschen zu sitzen und sich der Geschichte hinzugeben, ist eine ganz andere. „Das habe ich nicht erwartet!“  War auch einer dieser Sätze, die ich am Ende der Lesung hörte. Da ist mir auch klar geworden, dass sie mich in einem ganz anderen Licht gesehen haben, als es mir zu diesem Zeitpunkt bewusst gewesen ist. Für einen Augenblick sind sie mit mir gemeinsam durch Rom gelaufen und sahen die selben Bilder, wie der Autor, der er erschaffen hat. Ein wunderbares Erlebnis. Ich bin allen Zuhörern sehr dankbar, für die aufrichtigen Worte, ihre Offenheit und ehrlichen, persönlichen Gedanken.

Worte. So unerwartet und fremd ?

Als ich gestern in Zürich das Buch vorstellte, kam eine Dame auf mich zu. Ich signierte gerade ein paar Bücher, als sie vor mir stand, das Buch in die Hand nahm, mich anschaute und anfing zu lachen. Sie machte dann ein paar wilde Gesten und untermalte sie mit Lauten, die etwas befremdlich klangen. Sie war taubstumm. Sie nahm mein Buch, legte es in ihre Arme und schaukelte es, als würde sie ein Baby in den Armen halten. Dann sendete sie mir einen Handkuss und lachte wieder. Ihre Augen strahlten und sie gluckste vor lachen. Auch ich musste lachen. So fröhlich und unbeschwert, wie sie mit mir kommunizierte, es war einfach wundervoll. Mit ihren Gesten und Lauten hatte sie mir eine Geschichte erzählt. Es waren keine Worte notwendig um sie zu verstehen. Sie wollte auch ein Buch signiert haben und gab mir zu verstehen, dass sie Laura hieß und mich schon kannte, seitdem sie ein ganz kleines Kind gewesen ist. Sie war sehr erfreut mich kennenzulernen und wusste nicht, dass ich in ihrer Stadt war um mein Buch vorzustellen, welches sie schon gelesen hatte. Wie wundervoll, nicht war ?

Schmetterlinge sind frei ….

Vor vielen Jahren war ich mit einem wunderbaren Theaterstück unterwegs. Das Stück hieß „Schmetterlinge sind frei“. Schon damals waren also die Schmetterlinge ein Thema! Ich musste schmunzeln, als mir diese Geschichte wieder einfiel.  Es handelt von einem blinden jungen Mann, der in einem Loft in New York eingezogen ist. Sein erstes selbstständiges Leben hatte begonnen. Und obwohl er seiner Mutter am Telefon erzählt, dass er eine Party nach der anderen feiert, ist er immer ganz alleine. Er bedient sich einer Notlüge, um sich den „Klauen“ seiner überfürsorglichen Mutter zu entziehen. Sein Wohnung ist so perfekt eingerichtet, dass er sich ohne Probleme in seiner kleinen neuen „Welt“ zurechtfindet. Er ist zwar einsam, aber glücklich. Er hatte sich einige Monate vorher in ein Mädchen verliebt, das ihm den Mut gegeben hatte, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen um somit ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben zu führen. Sie war die treibende Kraft. Ihre Liebe zu ihm, gab ihm das Selbstvertrauen, das er brauchte um den Schritt in die Freiheit zu wagen und nach New York zu ziehen. Raus aus der Kontrolle des Lebens seiner Mutter. Doch seine große Liebe verließ ihn kurz darauf und er blieb alleine in der Wohnung im East Village zurück.

„Ein blindes Leben, so farbenfroh und ehrlich“ !

Doch sein geordnetes Leben geriet ziemlich schnell aus den Fugen, als er eine neue Nachbarin bekam, die in dem angrenzenden Loft einzog. Sie war nicht nur total chaotisch, sondern auch verdammt laut. Hörte laut Musik bis spät in die Nacht und liebte es zu singen. Großes Talent hatte sie allerdings nicht. Eines Tages kam sie zu Donny rüber. Sie lud sich selbst zum Kaffee ein und platzte ganz selbstverständlich in das Leben des jungen blinden Mannes, der ihr versuchte zu verheimlichen, dass er blind war. Es dauerte eine ganze Weile bis sie merkte, dass er sie gar nicht sehen konnte. Sie verliebten sich ineinander und lebten in den Tag hinein. Doch eines Tages verließ auch sie Donny. Er hatte sie ganz anders wahrgenommen, als alle anderen Männern die sie kennengelernt hatte. Sie konnte ihm nichts vorspielen, denn das was er „sah“ war sie selbst. Das machte der jungen Frau Angst und sie suchte sich einen anderen Mann, der auf ihr Spiel reinfiel und sie sich deshalb nicht mehr mit sich selbst konfrontieren musste. Eine wirklich schöne, lustige und traurige Geschichte.

„Der blinde Donny“
Als ich mich auf diese Rolle des blinden Donny vorbereitete, ging ich in ein Blindenzentrum in München. Ich wollte viel Zeit mit den „nicht sehenden“ verbringen und sie studieren. Wie orientieren sie sich. Wie leben sie. Es war eine sehr spannende Reise in einer ganz fremden Welt. Ich hatte mir die Augen verbunden und bin mit Ihnen durch München gelaufen und konnte die Stadt, die ich doch so gut kannte, als Blinder neu entdecken. Eine unglaubliche Erfahrung.
Am Tag der Premiere bekam ich eine Nachricht : Das ganze Blindenzentrum macht einen Ausflug ins Theater und kommt in deine Vorstellung. Wow! An dem Tag war ich nervöser als sonst. Ich hatte Bedenken, dass sie die Geschichte und die Dialoge mir vielleicht übelnehmen und sich missverstanden fühlen. Doch was an diesem Abend passierte war wundervoll. Sie lauschten den Dialogen und haben so viel gelacht, dass ich ganz beseelt war von ihren Reaktionen. Eine wunderbare Erfahrung. Sie sahen mehr, als ein Sehender. Das war mir in diesem Moment ganz klar. Sie hatten gespürt, ob wir die „Wahrheit“ auf der Bühne erzählten oder nicht.

Nach diesen Erlebnis hatte ich mir vorgenommen, manchmal einfach meine Augen zu schließen und mich auf meine anderen Sinne zu konzentrieren. Sie öffnen dir im wahrsten Sinne des Wortes, die Augen.

Ich wünsche Euch allen ein wunderbaren sonnigen Sonntag…

Euer

Hardy

 

 

 

 

 

19 thoughts on “„The Sunday“ 29. April

  1. Lieber Hardy, auch ich bin von Deinem Buch sehr berührt.Ich begegnete mir selbst darin.Aber ich bin auch jedesmal wieder aufs Neue von Deinen Sonntagsgeschichten berührt.Ich hatte vor vielen Jahren mal ein Erlebnis…..Als ich einer Freundin mal aus meinen Schreibereien vorlas , sagte sie.Wow …..Wo holst du das alles her.? Und ich sagte….Das ist alles in mir.!!! So geht es mir auch bei Dir.Ich denke jedesmal, er hat diese Quelle auch in sich…..Und sie sprudelt und sprudelt.Und ich finde es auch sehr mutig , es rauszulassen und der Öffentlichkeit vorzustellen.Ich bewundere das und es zeigt eine wunderbare Seite von Dir.Ich kann gut verstehen, dass so mancher sprachlos ist…..Das hatte ich nicht erwartet….Ich auch nicht, als ich Dich imFebruar backstage traf.Ich war angenehm überrascht, ist eine große Untertreibung.Die Begegnung mit Dir wird vorerst schwer zu toppen sein. So kommt eines zum anderen und nun bin ich auf Deiner Seite gelandet.Welch ein Glück für mich.Mit Blinde Menschen könnte ich auch wunderbare Erfahrungen machen.Als ich jung war kannte ich ein älteres Ehepaar, zu dem ich lange Kontakt hatte.Es hat mich immer wieder überrascht und fasziniert, in welchen Farben sie die Welt sahen.Ein Wahnsinnsereignis war jedes Jahr das Schmücken des Weihnachtsbaumes.Und noch heute denke ich an diese Leute zurück, mit viel Liebe und Hochachtung.Sie konnten so viel mehr sehen als ich , obwohl sie blind waren.Ich habe so viel von ihnen gelernt Sie hatten fünf Kinder die alle sehen konnten .Ist das nicht toll. Das Theaterstück kenne ich auch. Sehr gefühlvoll und beeindruckend. Lieber Hardy …war wieder schön heute bei Sunday. Ich wünsche Dir einen schöne Woche und bleibe glücklich.LG Rita.

  2. Hallo
    Lange habe ich mir überlegt…ob ich mich über den Titel ihres Buches äußere !!
    Ich hatte auch ein Schmetterlings/Kind genau wie sie… ich habe mein Kind so genannt ; weil sie nur kurz bleiben …
    Wie die Schmetterlinge !!!
    Einen glücklichen Start in den Wonnemonat Mai …
    LG

    1. Liebe Petra,
      für Deinen Kommentar bin ich Dir sehr dankbar. Ist es nicht schön zu wissen, dass sie immer bei uns sind ?
      LG & Danke

      1. Hallo Petra und Hardy…Euere Worte gehen mir unter die Haut.Ich hatte eine Schmetterlingsmutter, die auch nicht besonders lang bei mir war.Ich war 7Jahre , als die starb.Dieses hat mein ganzes weiteres Leben beeinflußt und geprägt.Jetzt bin ich nicht mehr jung und inzwischen , haben ,ich viele verloren.Ja, sie sind immer bei uns, stehen uns zur Seite………..Diese Gewißheit hält uns am Leben.LG an Euch

        1. Das Leben beschränkt sich nicht nur das „hier und jetzt“. Es bewegt sich und lebt auf vielen verschiedenen Ebenen…

  3. Grossartig geschrieben. Das Buch und in diesem blog. Chapeau für diese Offenheit und Bodenständigkeit. Ein Danke an Festigkeit und unerschütterliches Handeln. Wunderbare Worte haben keine Vergänglichkeit. Kommen, wenn das Herz und die Seele Einklang zeigen. Nur dann. Alles andere zählt keinen Schritt. Beste Grüsse!

    1. Hallo Constanze,
      Vielen Dank für Deine Worte. Was wären die Worte, ohne Euch, die sie fühlen können.
      LG & Danke

    1. Es gibt Worte, die auch Sonntage verschönern können. Frische Gedanken am Anfang eines neuen Tages. Lassen wir uns von unseren eigenen Gedanken überraschen… LG

  4. Hallo Hardy,

    wie schön, dass Dein Buch überall so großen Erfolg hat. Ich darf es ja auch schon mein Eigen nennen aber werde es erst in 1,5 Wochen im Urlaub anfangen zu lesen. Es macht mich allerdings schon etwas kribbelig, da ich Deine Ausschnitte ja schon geniessen durfte und ich natürlich auch endlich die ganze Geschichte erleben möchte!

    So schön, was Du in Zürich mit der Dame erleben durftest! So von gamzem Herzen erfreut und wie sie es gezeigt hat! ☺

    Das mit dem Augen verschliessen und mal auf sein Innerstes zu horchen habe ich schon vor ein paar Jahren von einer lieben Freundin gelernt! Es hilft oft manches klarer zu sehen bzw. zu empfinden. Ich habe leider noch nicht so viele Erfahrungen mit blinden Menschen machen dürfen aber ich denke, dass ihre Wahrnehmungen und Empfindungen sehr intensiv bzw. sehr offen sind.

    Ich wünsche Dir und Deinen Lieben einen tollen und sonningen Restsonntag und einen super Start in die neue Woche. Weiterhin viel Erfolg bei Deinen Lesungen, die Dich hoffentlich noch in den hohen Norden bringen!

    Liebe Grüße

    Brigitte

    1. Liebe Brigitte,
      Danke für Deine Zeilen. Ich hoffe Du hast Spaß beim lesen gehabt und über den einen oder anderen Gedanken nachgedacht. Vielleicht lässt Du noch ein paar Zeilen hier, wenn Du es fertig gelesen hast. Das wäre schön. Ich wünsche Dir einen schönen Urlaub…

  5. Lieber Hardy!

    Da gibt es ein Sprichwort, dass jeder von uns kennt: „Man sieht nur mit dem Herzen gut, ….. „. Und das stimmt!!! Bist du mit dem Herzen nicht dabei, nutzen all die schönen Worte nichts.

    Ich für meinen Teil sehe gerne meinem Gegenüber in die Augen. Sie zeigen mir, wie ehrlich und aufrichtig man ist. Ob man geschätzt oder verachtet wird. Ein Blick genügt und man ist entweder berührt, oder es lässt einen kalt.

    Und dann ist da noch die Stimme und der Ton, das man hört. Sie sagen ebenfalls sehr viel über einen aus. Also, lausche ich sehr gerne und höre zu, bevor ich etwas zu nah an mich heran lasse.
    Mir hat mal jedem gesagt: “ Ich hör sogar die Flöhe husten“!

    In diesem Sinne…..wünsch ich Dir und EUCH ALLEN noch einen wunderschönen Sonntag!

    Alles Liebe
    Gabi

      1. @Brigitte! Dankeschön und Busserl zurück!!

        Und an alle anderen Mädels: ich vermisse Euch und unseren persönlichen Austausch!

        Gabi

    1. Hallo Gabriella,

      die Flöhe husten hören ? ;-)) Das gefällt mir ! Das ist mir noch nicht gelückt….

  6. Moin Hardy!

    So ist es…..und wie wahr!

    Das ist doch super, daß Dein Buch so gut angenommen wurde!!! Ich werde es mir auch noch besorgen.

    Habt auch einen wunderschönen Sonntag und ich trete später ab 17 Uhr eine Reise zurück in die Vergangenheit an. Kitt läßt grüssen nur soviel dazu

    LG Sabine

  7. Hallo Hardy,

    sehr schöne und vorallem wahre Worte! Wir sollten öfter mal die Augen schließen und unsere anderen Sinnen den Vortritt lassen!

    Ich lese auch gerade dein Buch und nutze jede freie Minute dafür 🙂 man spürt mit wieviel Herzblut du es geschrieben hast! Vielen Dank für diesen wunderbaren Roman!

    Schönen sonnigen Sonntag dir und deinen Liebsten!

    Liebe Grüße
    Nadine

Ich freue mich über Eure Kommentare! Euer Hardy