„Shumata“ – Teil 3

„DIE ALTEN PFADE UND MEIN TRAUM“

„Shumata“ heißt auf Suaheli Himmel und genauso habe ich geschlafen, die erste Nacht in meinem Zelt, da oben auf dem Hügel zwischen dem Kilimanjaro und Mount Meru. Die Sonne weckte mich sanft, eine kleine Brise strich über meine Haut und ich schaute von meinem Bett direkt auf die großen Weite vor mir… Die Savanne reicht bist zum Horizont. Wie wunderschön, dachte ich mir. Es war noch sehr früh am morgen. Die Sonne schaute gerade über den Gipfel mit ihrem verschlafenen Blick. Das orange Licht strich über die grünen Akazien. Auch die Maasai trieben schon ihre Rinder aus ihren kleinen Burmas / Kraals und auch die Kinder spielten und tobten fröhlich in der Morgensonne.
Ich lege meinen Kopf wieder aufs Kissen und atme ein und spüre das Leben und das Gefühl von Freiheit. Die Einfachheit dieses Lebens hier ist wahre Schönheit. Ich habe das Gefühl eins zu sein mit allem, was ich sehe und berühre. So wie die Sterne gestern Nacht. Wie schön der Himmel leuchtete. Millionen Sterne funkelten und selbst die Milchstrasse war so nah, als könnte ich sie vom Himmel holen. Stunden lag ich noch auf meinem Bett und schaute in den Himmel. Alles ist miteinander verbunden, dachte ich mir. Natürlich sind wir ein Teil des Universums. Ich kann das jetzt genau spüren. Je länger man den Sternenhimmel anschaut, so deutlicher kann man hören wie alles lebt. Die Sterne haben mir heute Nacht wieder einen Traum geschenkt. Seit langem habe ich wieder geträumt. Wir Menschen sind mit allem was uns umgibt verbunden. Wir haben das alles in uns, können uns aber an das Wissen nicht mehr erinnern.

ICH ATME EIN UND SPÜRE DIE FREIHEIT, ATME AUS UND SPÜRE DAS LEBEN !

Ich musste daran denken, was mir einst mal „Wasa“ erzählte, als ich mit ihm durch die Outbacks Australiens gelaufen bin. „Wasa“ sah aus wie ein Weihnachtsmann, der zu lange in der Sonne lag. Er war schwarz wie die Nacht und einen weisen langen Bart hatte er. Seine  langen, struppigen Haare schauten in alle Richtungen. Er stammt aus dem Clan der Luritja. Sie leben zwischen den Gebieten der Pitjantjatjara und der Arrernte. Es ist ja bekannt, dass die Aborigines durch die Pflanzen mit Ihren Ahnen kommunizieren und sich telepathisch unterhalten, wenn sie durch die Wüste laufen. Das telepathische ist mir mit Wasa zwar nicht gelungen, aber wir hatten trotzdem eine sehr lustige Zeit zusammen. Viele Nächte haben wir damit zugebracht über das Leben zu philosophieren. Wenn also die Aborigines mit den Pflanzen mit Ihren Ahnen kommunizieren können, dann kann ich das vielleicht auch mit den Sternen, dachte ich mir. Ich konnte das Singen der Sterne hören. Singende Sterne. Die Musik des Himmels.
Die Frequenz aller Dinge hier in diesem Moment haben einen angenehmen und dunklen tiefen Ton, wie das Gebet buddhistischer Mönche. In der Welt in der ich gerade lebe, ist sie eher hoch und schrill. Die Menschen reden meist schnell und laut. Eine Frequenz, die ich nur bedingt ertragen kann. Wenig was sie reden, ist zudem wirklich brauchbar.
Kalhi Gibran schreibt über das Reden: „Ihr redet, wenn Ihr aufhört mit Euren Gedanken in Frieden zu sein. Und wenn Ihr nicht mehr in der Einsamkeit Eures Herzens verweilen könnt, lebt ihr in Euren Lippen und das Wort ist Euch Ablenkung und Zeitvertreib“. Wie Recht er hat.

Also wenn die Ureinwohner Australiens mit den Ahnen durch die Pflanzen sprechen können, dann können die Maasai das vielleicht auch durch die Akazien. Stell Dir vor sie könnten durch die  Akazien mit den Elefanten sprechen. Dann wären ihre Geschichten immer unter den Menschen und man würde vielleicht aufhören sie zu jagen. Eine schöne Vorstellung.

ALLES IST MITEINANDER VERBUNDEN

Die Natur ist ja so konzipiert, dass alles miteinander kommuniziert. Alles ist miteinander verbunden. Hier in Afrika kann man das genau beobachten, wenn man durch den Busch läuft.
Als ich mit Jörg das letzte mal hier durch den Busch gelaufen bin, habe ich viel von den Maasai gelernt.
Die Massai sind ein sehr beeindruckendes, intelligentes und stolzes Volk. Sie könnten heute auch anders leben. Sie müssten heute nicht mehr in ihren Enkajis leben. So nennt man die aus Lehm und Kuhdung gebauten Hütten, die aussehen wie kleine Iglus, doch sie wollen es gar nicht. Die alten Traditionen haben sie bis heute an die Kinder weitergegeben und leben noch wie vor hunderten von Jahren. Man kann zwar nicht genau sagen, woher sie kamen, da viel Legenden und Mythen über sie erzählt werden, aber sie waren schon immer ein sehr geachtetes und gefürchtetes Kriegervolk. Man vermutet, dass sie  ursprünglich  vom  Norden  Afrikas, vom oberen Nilgebiet nach Ostafrika wanderten. Man kann sagen, dass es 12 verschiedene Stämme gibt, die sich alle durch verschiedene Dialekte und Gewänder unterscheiden. Natürlich gibt es auch unter Ihnen Rivalitäten und verschiedene Ansichten. Aber es ist ein Volk und sie beten auch alle zu „Engai“. Es gilt als höchstes Wesen in ihrem Glauben.
Zu   den   Massai gehören die Halbnomaden, die „eigentlichen“ Massai  und  die Samburu.  Dann gibt es die noch die sesshaften Bauern,  wie der  Baraguyu, Ilumbwa,  WaArusha  und  der Njemps. Die  Nomaden  verachten  die  sesshaften  Stämme,  da diese in ihren  Augen ihre traditionelle Lebensweise verraten haben. Aber trotzdem ist es ein Volk. Alles hier hat seine Berechtigung und seine Zeit.

Auf meinen Reisen durch die Welt habe ich viele verschiedene Kulturen und Völker gesehen. Alle haben ihre eigenen Rituale, wie sie mit allen Dingen verbunden sind. Mit ihren Göttern, Ahnen und Angehörigen. Manchmal sind es auch die Träume, die uns mit allen Dingen verbinden. Die Träume kennen keine Zeit. Die Zeit haben wir Menschen erfunden. Wir messen die Zeit, die aber nicht zu messen ist, in Wirklichkeit. „Aus der Zeit wollt ihr einen Strom machen, an dessen Ufer ihr sitzt und zuschaut, wie es fließt“, schrieb Kahli Gibran. Und so ist es.

WIE SCHÖN IST ES, WENN DIE SEELE REISEN KANN

Wie schön und beflügelnd sind doch Träume. Besonders wenn man noch klein ist. Die Seele frisch geboren oder auch wieder geboren, erhellt sie das Universum mit Ihrer Energie. Deswegen sind die Sterne hier so hell, dachte ich mir, als ich in meinem Zelt lag und in den Himmel schaute. So nah waren die Sterne. Wenn all diese Sterne Wünsche wären, da stell man sich doch mal die Energie vor, die all diese Sterne verursachen. Das ganze Universum müsste bald zu klein werden und eine neue Galaxie entsteht. Wunderbarer Gedanke.

Früher haben wir doch alle an die Magie der Gedanken und Wünsche geglaubt. Wo ist das bloß alles hin, fragte ich mich. Unser Bewusstsein will erwachsen werden, doch unsere Seele bleibt Kind. Wenn wir Freude empfinden, so spricht das Kind in uns. Glück ist ein Seelenszustand des Kindes in uns. Unser nähester Freund und Vertrauter. Und genau der, sprach zu mir, an diesem Morgen. Ja ich bin glücklich, hier. So wie die spielenden Massai-Kindern da unten am Fuße von „Shumata“.

Als ich vom „Verbundensein“ sprach, so meinte ich auch meinen Traum, den ich hatte. Mein geliebten Sohn Paul – Luca sah ich, wie er mit seinen Kameraden, dem Hund Arab spielte. Glücklich und zufrieden waren sie. Ich war bei Ihnen und konnte mit Ihnen sprechen:

Ich sagte zu ihm: „Du bist der Beste, mein Sohn. Ich wünschte, ich hätte mehr für Dich tun können. Ich wünschte, wir hätten mehr Zeit gehabt. Wie dem auch sei, mögest Du immer Rückenwind haben und stets Sonnenschein im Gesicht. Mögen Dich die Schicksalsstürme hinauftragen. Auf das Du mit den Sternen tanzt. Und sei gewiss, mein geliebter Sohn: Niemand weint für immer. Irgendwann sehen wir uns wieder.

Mit einem Lächeln wachte ich auf und die Sonne lachte mir ins Gesicht…

 

WENN EUCH MEINE GESCHICHTEN GEFALLEN, DANN HINTERLASST MIR EURE GEDANKEN IN EINEM KOMMENTAR.

 

 

 

 

 

 

15 thoughts on “„Shumata“ – Teil 3

  1. Oh ist das schön…das ist zauberhaft geschrieben, beschrieben, umschrieben…als ich deine Zeilen lass, erinnerte es mich an meine Reiseberichte und Erfahrungen, die ich in der tunesischen Sahara erlebte! Ich lag im Sand und erblickte über mich den nächtlichen Sternenhimmel und dachte, das ist das göttliche was mein Yogaguru mit seiner Beschreibung im Unterricht meinte! Ich hörte und spürte das erste mal ein klares ommm …ich hatte noch nie so gut geschlafen wie in der Wüste! gibt es deine Ausfertigungen auch in einem Buch ?? Herzlichste Grüße

  2. Wunderschön! In dieser Erzählung stecken mindestens 5 Bücher und 100 Geschichten, die Du noch aufschreiben musst! Am Ende habe ich natürlich geweint, auch wenn es so schön ist, dass Du diesen Traum mit Deinem Sohn hattest! Ich kenne solche Träume auch … erlebe sie mit meiner Mutter, in denen ich mit ihr reden kann, sie umarmen kann und in denen Sie mir Ratschläge gibt … einen Traum hatte ich einige Zeit nach ihrem Tod, der für mich sehr tröstend war. Sie kam mir in der Einfahrt ihres Hauses entgegen, so wie ich sie das letzte mal gesehen hatte … mit der letzten Kleidung… ohne Schuhe … und ich sagte zu ihr: „Ich wusste, dass Du nicht tot bist!!! Aber wo warst Du denn so lange?“ Sie sagte: „Ich war auf einem Schiff … ich habe mir die Welt angesehen!“ … dann umarmten wir uns und es war alles so real. Ich liebe Deine Geschichten und ich liebe auch meine Träume … und ich wünsche Dir noch ganz viele dieser Träume! Es gibt einfach mehr zwischen Himmel und Erde … schön, wenn wir es empfangen können! Es tut mir im Herzen weh, dass ihr Euren Sohn so früh wieder hergeben musstet … tröstend ist nur, dass er dennoch immer bei Euch sein wird … denn die Liebe stirbt nie …

  3. Deine Geschichte ist für mich sehr berührend. Es berührt mein tiefstes Inneres, meine Seele. Es ist nicht wirklich einfach für mich es in Worte zu fassen. Deine Worte gehen sehr tief in mein Herz. Bewahre Dir diese wunderbare Art. Lebe Dein Leben, bleib mit Deiner Seele im Reinen…. Shumata hat nicht umsonst den Namen verdient… „Über den Wolken“… Es ist einfach „Heaven“….

  4. Wow, danke für den 3. Teil. Das ist eine so bewegende Geschichte, dass ich mich erstmal wieder sammeln muss. Es ist so unfassbar und so traurig, wenn so ein kleines Wesen aus dem Leben gerissen wird. Ihr habt mein tiefstes Mitgefühl.
    Lieber Hardy, höre bitte nie auf deine Erzählungen und Träume aufzuschreiben und mit uns hier zuteilen. Ich habe ein Zitat gefunden, was so schon zutrifft.
    “ Derjenige, der mit Tinte schreibt, ist nicht zu vergleichen mit demjenigen, der mit Herzblut schreibt. “ Khalil Gibran
    Ich wünsche dir einen schönen Sonntag. LG

  5. ….eine Tasse Kaffee hat aber gerade nicht gereicht ! Diese letzten Absätze Deiner Geschichte haben innen drinnen gerade ganz viel bei mir aufgewühlt , ich habe extreme Gänsehaut und ein total flaues Gefühl im ganzen Körper gespürt das mich erstmal zum sitzen und “ runterkommen“ zwang ! Zum ersten weil ich dieses „Erlebnis“auch schon erfahren habe vor einiger Zeit und weil wir auch gerade aus einen sehr schönen Traum ganz böse „wachgeworden“ sind ! Ich war selten , so gut wie nie ,so hin und her gerissen wie jetzt gerade beim lesen eines Textes ! L.G Dine

  6. Wozu Reisen doch gut sein kann … *schmunzel, genieße und schweige. DANKE für die wieder einmal wundbaren Zeilen, die tief berühren und dass es Dich gibt. Denn ansonsten gäbe es diesen Blog hier nicht …

  7. „Der Mensch ist die dümmste Spezies!!
    Er verehrt einen unsichtbaren Gott und tötet eine sichtbare Natur, ohne zu wissen, daß diese Natur, die er vernichtet, dieser unsichtbare Gott ist, den er verehrt.“
    Schönes Zitat von Hubert Reeves, sehr passende wie ich finde.
    Ein schöner und bewegender Text von Dir, man fühlt fast dabei zu sein.
    Liebe Grüße
    Geli

  8. Da vergangene unschöne Erlebnisse mich wiedermal nicht schlafen lassen haben, bin ich froh, durch Zufall auf Ihren Blog gestoßen zu sein.
    Danke, ich konnte endlich abtauchen um in Ihre Geschichte einzutauchen und aufzutauchen in eine Weite voller Farben, Geräusche, Gerüche und Worten mit so viel Gefühl.
    Man spürt durch Ihre Worte, dass man dort alles viel intensiver wahrnimmt/aufnimmt
    und befreiter auf – und durchatmen kann.
    Sie haben so viel gesehen und erlebt. Erfahrungen und Erlebnisse, die Ihnen keiner nehmen kann,
    aber auch Situationen, die Sie bestimmt nie sehen, spüren oder erfahren wollten.
    Man spürt in Ihrer Geschichte, in Ihrer Art wie Sie schreiben,wie viele Emotionen, Ideen und Worte noch in Ihnen brodeln.
    Das Land, der Ort, die Tiere, liebe Menschen/Freunde, Ihre Kinder, Ihr Sohn….
    Dem Himmel so nah…
    Sie sind ein Mann der lebt und liebt.
    „Die begrenzte Liebe sucht den Besitz des Anderen, doch die grenzenlose Liebe verlangt nichts anderes als zu lieben.“ Khalil Gibran

    Mit liebem Gruß
    Kerstin

  9. DANKE, ich konnte endlich mal wieder abtauchen, in Ihre Geschichten eintauchen um aufzutauchen in eine Weite voller Farben, Geräusche, Gerüche und Worten mit so viel Gefühl.
    Man spürt durch Ihre Worte, dass man dort alles viel intensiver wahrnimmt/aufnimmt
    und befreiter auf – und durchatmen kann.
    Sie haben so viel gesehen und erlebt. Erfahrungen und Erlebnisse, die Ihnen keiner nehmen kann,
    aber auch Situationen, die Sie bestimmt nie sehen, spüren oder erfahren wollten.
    Wilderer, schießwütige A… die jeglichen Respekt vor Lebewesen und Natur verloren haben.Man fühlt sich fast ohnmächtig vor Wut.
    Man spürt in Ihren Geschichten, in Ihrer Art wie Sie schreiben, wie viele Emotionen, Ideen und Worte noch in Ihnen brodeln. Sie stecken so voller Leben und Liebe , ob für Land und Leute….aber vor Allem für Ihre Kinder.
    „Die begrenzte Liebe sucht den Besitz des Anderen, doch die grenzenlose Liebe verlangt nichts anderes als zu lieben.“ Khalil Gibran
    Ich wünsche Ihnen noch viele wundervolle Träume
    Mit liebem Gruß
    Kerstin

  10. Ah nein!!! Beim ersten Text den ich Ihnen geschrieben habe ist mir der Laptop abgestützt.
    Habe vermutet, dass mein Kommentar gar nicht gesendet wurde. Hm, falsch vermutet. Sie können sich ja, wenn Sie möchten für einen entscheiden. Man merkt ja überhaupt nicht, dass das mein erster Kommentar auf einem Blog ist.
    Na ja, ist schon spät. Gruß Kerstin

  11. Wir reisen nicht nur in andere Orte, sondern auch in eine andere Verfassung unserer Seele.

    Auf einem berühmten Friedhof habe ich zum Tod bzw. wenn man einen geliebten Menschen verliert, mein persönliches Wunder erlebt: Und plötzlich war alles okay und so klar und ich war ein wenig getröstet.

    Danke, dass Du Dein persönliches Wunder mit uns geteilt hast.

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