Afrika… ein Land & ein alter Traum

2. Teil

                                                                    

„Coming home“

imageEs war der große alte Baum im Hintergarten, der Hatari Lodge,  der mein Besuch ankündigte. Während der alte Toyota Jeep mich über die holprigen Wege des Arusha Parks zu meinem alten Zuhause brachte, beschloss der alte Freund, der mich als Kind schon auf seine Ästen trug, das seine Zeit nun gekommen war und legte sich leise nieder. Nein, nicht auf Jim´s Haus, Er legte sich auf die Gemüse Bete, die Marlies mit großer Liebe pflegte. Er machte das allerdings so geschickt, dass er niemanden auf der Farm aufweckte. Nicht mal die Tiere gaben ein Laut von sich. Dieser riesen Koloss!
Mit großen Augen standen die Maasai ein paar Stunden später vor dem alten Kameraden, der lange schon vor Ihnen dar war und der ganz selbstverständlich ihnen mittags seinen Schatten schenkte. Das er eines Tages zu so einem Entschluss kommen würde, konnte sich keiner vorstellen. Große Ratlosigkeit bei allen hier. Alle schauten sie nach oben auf den Gipfel des Kilimanjaro zu den afrikanischen Göttern. Sie schwiegen.
Es war so, als hätte der Baum gewartet, bis der „verlorene Sohn“ endlich wieder nach Hause kommt, meinte Paul, der Koch. Er sah meine Traurigkeit in meinen Augen. Anstatt etwas zu sagen, ging er einfach wortlos und ließ mich mit dem alten Akazienbaum alleine. So macht man das hier im Busch. Ich war traurig. Hatte ja keine Gelegenheit mehr mich von meinem alten Spielkameraden zu verabschieden. Wenn ich gekonnt hätte, so hätte ich ihn wieder aufgerichtet.

Mein Zuhause für die kommenden Tage, hier auf der Hatari Lodge ist ein kleines Cottage unweit der alten Fieberakazie. Es war nicht nur mein Zuhause, sondern auch das der Merkatzen, wie ich Nachts feststellte. Sie zogen von meinem umgestürzten alten Kameraden auf mein Dach. Es hörte sich an, als wäre das „Djschugelbuch“, einschließlich „Balu“ dem Bär tanzend und trommelnd auf dem Dach, um mich willkommen zu heißen. Was für eine unruhige Nacht das war. Dennoch bin ich mit einem Lächeln im Gesicht eingeschlafen. Man ist nur unter Menschen einsam, nicht aber unter Tieren. Das wurde mir einmal mehr klar.

Der afrikanische Busch schläft nie!
Unmerklich blickte ich auf das Bild von „Satao“, das neben meinem Bett hing. Ich lag da und spürte, wie die Müdigkeit in meine Knochen kroch, als ich in die traurigen Augen des alten Elefanten blickte. Wusste er, wie sein Leben enden wird?
Elefanten sind für mich die Seele Afrikas und dieser weiser alte Elefant war der größte und schönste Elefant, den ich kannte. In Kenya lebte er, bis ihn letztes Jahr geldgierige Wilderer erlegten.

Wenn diese schönen Wesen sprechen könnten, würden sie uns Geschichten erzählen, die so wundervoll sind, dass wir vielleicht eines Tages ihre Stimmen hören und verstehen würden. Geschichten von Freiheit und von Wanderungen, alten Trampelpfaden,die sich durch das ganze afrikanische Land ziehen. Von alten Traditionen, von Liebe und Freundschaft.
Ein Elefant versteht viel mehr davon, als wir Menschen. Viel könnten wir von ihnen lernen. Doch anstatt ihnen zuzuhören, jagen und töten wir sie. Dieses perfekte Ökosystem Afrikas zerstören wir, durch die Gier nach Geld & Macht.
Ich laufe durch die Savannen Afrikas und staune wie viel Leben in so einer – scheinbar kargen – Umgebung steckt. Wer die Natur verstehen will, sollte genau hier anfangen.

Meine Reise nach Tansania, verbindet nicht nur meine Vergangenheit mit dem „hier und jetzt“. Es geht um viel mehr! Der afrikanische Busch hat ein Gedächtnis, wie das eines Elefanten. Es vergisst nichts. Das Erlebte bleibt für ewig bestehen. Begegnungen und erlebtes bleiben sichtbar, wie der Stein der in der Savanne Tansanias steht und meinen Namen trägt. Als ich vor zehn Jahren mit einem Schmerz in der Brust Tansania verlassen musste, hatte Jörg ihn „Hardy´s Rock“ getauft, damit sich alle daran erinnern können, das der „verlorene Sohn“ hier war und bald wieder kommen wird.

Und so ist es. Ich bin wieder da…

Von alten und neuen Begegnung erzähle ich Euch im nächsten Teil meiner Reise…

 

„Das Land der verlorenen Söhne“

Ein Teppich aus Lichtern unter mir. Wie tausend kleine beleuchtete Weihnachtsbäume sieht Istanbul von hier oben aus. Eine sehr beeindruckende Stadt, die zur Zeit eher gemischte Gefühle in mir hervorruft. Ich bin gespannt, in welche Richtung dieses Land gehen wird. Die ganze Welt scheint in einer großen Wandel zu sein. Ob England, jetzt Amerika – die wohl größte Überraschung überhaupt – und Afrika, wo meine Reise gerade hingeht.Das Land, das ich nur aus der Perspektive eines neugierigen kleinen Kindes kenne.
Sollte ich das Gefühl beschreiben, was ich empfinde, wenn ich an Afrika denke, so würde ich sagen: „Es ist eine Mischung aus, Schönheit, Sehnsucht, Frieden, Melancholie, Traurigkeit, Wut, Hoffnung und Freude “.
Wie eine verlorenen Jugendliebe, die man sein Leben lang wieder finden will. Ich kann mich noch an den Schmerz der Trennung erinnern. Wie, den ersten Kuss, den man wohl sein Leben lang auf seinen Lippen spürt.

Tansania ist aber auch das „Land der verlorenen Söhne“. Ich bin vielen Menschen in Tansania begegnet, die mir alle das Gleiche erzählen. Dieses Land ruft Dich, schenkt Dir wundervolle, eindrucksvolle Erlebnisse und wird dein Leben verändern, bis es dich wieder bittet zu gehen. Es gibt genügend Beispiele von Menschen, die sich vor dem Fuße des Kilimanjaro mit Liebe, Schweiß und Blut eine Existenz aufbauen wollten. Sie wollten bleiben und diesen Moment fest halten, doch sind am Ende des Tages doch fort gegangen. Die Gründe waren verschieden. Mal waren es die Kommunisten die sie vertrieben haben, wie meinen Vater. Oder es waren Krankheiten, die ganze Regionen leerfegten. Bürgerkriege.

Das Land duldet dich, Du kannst es aber nicht besitzen. (Eine Geschichte die das beispielhaft darstellt, ist die Geschichte von Margarete Trappe, die einst im Jahr 1906 von Schlesien nach Tansania kam).

Da waren sich alle einig, die ich gesprochen habe. Einige von Ihnen kommen immer wieder zurück. Ich bin so einer. Einer von Ihnen, wie ein verlorener Sohn kommt er zurück.

Ein alter Maasai sagte das zu mir, als ich vor über zehn Jahren wieder nach Tansania kam. Was für ein unbeschreiblichen Gefühl das war, als ich vor dem „heiligen Berg“ stand – dort, wo die
afrikanischen Götter zu Hause sind“. „Vertraute Fremde“, dachte ich mir damals. Der Massai lachte ganz laut als er mich sah und zeigte mit seinen langen Finger auf die Spitze des Kilimanjaro und sagt: „Ich wusste das du eines Tages wieder kommst. Das hat mir der heilige Berg verraten. Sie nur, keine Wolke auf dem Dach über Afrika. So wird der Kilimanjaro genannt. „Das ist das Zeichen, dass die Götter sich freuen, das der verlorene Sohn zurückgekehrt ist“. Mein Herz machte ein Purzelbaum!

In diesem Moment musste ich an das Kinderbuch denken, das mein Vater auf der Farm geschrieben hatte. Es erzählt die Geschichte von „Sawimbulu“. Ein kleiner runder Ball mit Händen und Füßen, der auf dem Kopf eines Elefanten sitzt und die Kinder nachts auf viele Abenteuer mitnimmt. Ich muss lachen, als ich an den kleinen gelben Kauz denke. Er machte auch gerne Purzelbäume!

Der Sohn ist wieder zurück! Ich komme mir vor, wie der Stein der mitten in der Savanne steht. Ganz allein steht er da. Um Ihn herum … Nichts … ausser viel Sand, ein paar trockene Sträucher und Bäume. „Wie kommt er da wohl hin“, dieser große, runde Stein,fragen sich alle, die staunend vor ihm stehen. Von da oben hat man eine schöne Aussicht, kann ich jedem erzählen, denn er ist nach mir benannt. „Hardy“. Ich kenne ihn gut, diesen Stein. Vielleicht hat Ihn irgend so ein „Juju“ (Zauber) hergebracht.. aber wissen tut es hier keiner so genau. Vielleicht ist das auch gut so.

Es gibt so einige unerklärliche Dinge in Afrika. Das Rätsel über den Affenbrotbaum, den selbst mein Vater nicht lösen konnte. Wie kommt dieser häßliche Baum zu so seinem lustigen Namen. Das Rätsel über den Leoparden, der den ganzen Kilimanjaro hochgestiegen ist und keiner weis warum. Was wollte er da? Vielleicht wollte er mal nachsehen, ob die afrikanischen Götter wirklich da oben leben. Auf 5895 Meter? Dieses Land erzählt so viele wunderbare Geschichten.

Ein paar davon erzähle ich Euch nächste Woche….

6 thoughts on “Afrika… ein Land & ein alter Traum

  1. Ja! bittet erzähl weiter! Ganz viele Geschichten! Und vielleicht findest Du auch die Antwort auf die Frage, was der Leopard dort oben wollte … war er der falschen Fährte gefolgt wie bei Hemmingway beschrieben? Hat er etwas gesucht dort oben? Hat er es gefunden? Was würdest Du da oben wollen, wenn Du ein Leopard wärst? Was sagen die Massai über den Schnee auf dem Kilimanjaro? Liegt denn noch viel Schnee oder schwindet der auch? Ich freu mich auf Deinen nächsten Bericht!

  2. Du hast es wunderbar über deine alte Heimat geschrieben . Man kann buchstäblich ( wenn man die Augen schließt) hinein tauchen in die faszination

    1. Afrika . So ich das Buch die weiße Massai las , dieses Buch könnte mir das Leben ein Massai Krieger lebt beschreiben . Auf der Arbeit habe ich eine nette Arbeitskollegin ist kommt aus Afrika wo muss ich noch fragen

  3. Auch wenn ich wie du noch nie dort gelebt habe, so fesselt mich Afrika schon seit meiner Kindheit und gibt mir Kraft. Durch deine lebhafte Erzählung habe ich vorhin für einen Moment gedanklich neben dir auf dem Stein gestanden und einfach nur die Aussicht genossen und die Schönheit, Magie und Urkraft dieses Landes gespürt und aufgenommen. Ich wünsche dir bei deinem ‚Heim kommen‘ viele ‚Purzelbäume‘ und tolle Begebenheiten und Erfahrungen wie im Buch von Sawimbulu, ich lese sehr gerne darin. Tanke Kraft und nimm die positive Energie der Mutter Erde für dich selbst auf!! Vielleicht findest du einen Heilstein, den du mitnehmen darfst…
    Viel Erfolg für eure Mission und allzeit sichere Fahrt. Lieben Gruß auch an Afrika 🙂

  4. Hallo ! Einer meiner guten Freunde , wurde als Kind von Deutschen Auswanderern in Paulspietersburg geboren und ist dort auch aufgewachsen ! Er kam zum studieren nach Berlin , fand seine Frau und ihr zuliebe ist er da geblieben ! Er leitet seit Jahren eine Mission in Norddeutschland . Er sagt mir jedes mal , das er hier nie richtig angekommen (auch nach 20 Jahren ) ist , trotz vieler Freunde . Er muss jedes Jahr für einige Woche „nachhause“ weil die Menschen dort eine ganz andere Art zu leben , Mentalität haben und er da verstanden wird ! Er würde sofort nach Afrika zurück kommen , aber er meint kleine Kinder und Afrika passt nicht !? Außerdem sagt er , der Affenbrotbaum heißt seiner Meinung so , weil Affen und Elefanten seine Früchte und Rinde gerne essen würden . Er ließe sich aber eines besseren belehren !
    Was wurde nun eigentlich aus den letzten Wochen der Challenge ? Außerdem finde ich die Bilder aus fremden Ländern , Orten sehr schön anzusehen ! Gruß dine

  5. Irgendwie hat Afrika doch etwas magisches … In der Schule als Kind weiss ich noch, wie ich dachte, DA WILL ICH AUCH MAL HIN. Als Jugendliche lernte ich dann auf meiner aller ersten eigenen Reise einen guten Freund kennen, der in Südafrika geboren wurde und dort als Teenager weg musste. Er schwärmte mir vom ersten Tag an von seiner Heimat vor … zeigte mir viele Bilder und prophezeite, dass er eines Tages wieder dorthin zurückkehren wird. Er hat es wahr gemacht und zum gleichen Zeitpunkt war ich zufällig auch dort, so dass wir uns nach über 20 Jahren in Afrika wieder gesehen haben. Also, lieber Hardy, ich bin sehr gespannt wie es mit Dir und Afrika weiter gehen wird. Auf jeden Fall eine sehr schöne Geschichte! … Da geht mir das Herz auf …

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