„Mein Leben ist eine Reise“ Zeitungsbericht

Schauspieler Hardy
Krüger jr. (51) über fremde Kulturen, neue Horizonte und warum er sich überall auf der Welt zu Hause fühlt

Von IRIS ROSENDAHL

REISELUST: Was reizt Sie am Reisen?

Hardy Krüger jr.: Ich finde es unheimlich interessant, im Austausch mit Menschen zu sein, die nicht meine Sprache sprechen, an andere Götter glauben und in anderen Kulturen oder Klimaverhält- nissen leben. Es ist einfach eine Welt, die man selber nicht kennt. Und man kann sich selbst wieder ganz neu und anders reflektieren, um zu sehen, wie man selber lebt. Manche Kulturen sind mehr an der Natur dran, sozial ganz anders aufgestellt und kulturell gibt es Wissen, das man sich aneignen kann. Beim Reisen kann ich mich selber weiterentwickeln. Deswegen ist Reisen wahnsinnig wichtig, um seinen Horizont zu erweitern. Es gibt so viele wunderbare Plätze auf dieser Welt, die ich noch nicht kenne …

Wo wollen Sie noch hin?

Ich habe es noch nicht nach Neuseeland geschafft. Man kann immer wieder einen Traumplatz finden. Oder man setzt sich einfach ins Auto, fährt los. Das könnte ich mir gut vorstellen. Das ist der Traum von Freiheit, den sich viele Männer wünschen. Welche Reise-Tipps haben Sie?

Wenn man reist, sollte man sich auch ein bisschen darauf einlassen. Man sollte über den Tellerrand schauen, sich auch mal ab- seits des normalen Touri-Pfades bewegen und gucken, wie die Menschen da eigentlich leben. Ich finde, eine Reise ist nicht nur wichtig, um sich zu erholen, sondern auch, um sich ein bisschen weiterzubil- den, sein Bewusstsein zu erweitern. So sieht man auch: Verdammt noch mal, mir geht es in Deutschland so gut! So lernt man, seinen Alltag auch mal ganz anders zu schätzen, wenn man sieht, wie arm die Menschen in Bangladesch oder Afrika sind und, dass sie trotzdem glücklich sind!

Was sind Ihre persönlichen Lieblings-Reiseziele?

Argentinien und Kube sind tolle Länder. Die Stadt Havanna ist für mich eienes der schönsten Motive , die ich je erlebt habe. Diese Stadt hat eine unglaubliche Energie. Ich war damals da, als Fidel Castro noch am Start war. Ein Priester zeigte mir damals die Ecken von Havanna, die man als Tourist sonst nicht sieht. Für mich ist Havanna wie eine Stadt, die wie Atlantis mal versunken war. Und dann trocknet diese Stadt wieder und die Patina von den Wänden kommt zum Vorschein.

Von welchen Menschen haben Sie
auf Reisen gelernt?


Als ich in Myanmar war, ist ein ganz tol- les Gespräch mit einem jungen, buddhis- tischen Mönch entstanden. In vielen Dingen hat es mir die Augen geöffnet. Der Mönch hat mir viele Fragen über mein Le- ben gestellt, auf die ich keine Antworten hatte. Da ist mir erst mal aufgefallen, in welchem Hamsterrad ich mich befand. Dass ich viele Signale nicht mehr wirklich gesehen habe. Dass ich mich in eine Rich- tung bewegte, die für mich gesundheitlich nicht mehr gut war, weil ich zu viel Stress hatte. Solche Dinge erlebt man nur auf Reisen, bei denen man auch mal rausgeht. Dann gab es noch den Weihnachtsmann… Weihnachtsmann?
Ich bin in Australien drei Monate durch die Outbacks gereist. Da hatte ich auch interessante Begegnungen mit Aborigines. Ich habe einen Typen kennengelernt, der aussah wie die Inkarnation des Weihnachtsmanns- als Aborigine. Er sagte: „Ich bin Wasa, und ich bin ein anonymer Alkoholiker!“ Und ich sagte: „Okay, ich bin Hardy, und ich bin ein sehr bekannter Alkoholiker!“ Dann haben wir uns gleich gut verstanden.
Ihr Vater drehte Anfang der 60er in Tansania mit John Wayne den Film „Hatari“. Danach machte er aus dem Drehort ein Buschhotel und führte es 13 Jahre lang. Sie verbrachten dort einen Teil ihrer Kindheit … Ja. Es gab Cheetah, unseren Geparden, der frei herumgelaufen ist. Wir hatten viele Tiere. Deswegen habe ich auch heute noch einen ganz guten Bezug zu Tieren. Die Na- tur verbindet mich sehr stark mit einem Lebensgefühl aus dieser Zeit. Tansania ist eines der schönsten Länder, die ich kenne. Es sind damals viele Menschen aus der ganzen Welt gekommen, um Urlaub in Momella zu machen. Auch viele Hollywood Stars, Schauspielkollegen meines Vaters. War Ihr Vater jemals wieder in Afrika?
Nein. Er hat 1971, als wir enteignet wurden und das Land verlassen mussten, gesagt: „Ich werde in meinem Leben nie wieder einen Fuß auf afrikanischen Boden setzen!“ Und das hat er bis heute nicht getan.


Ist er ein Vorbild für Sie?


Er ist auf jeden Fall derjenige, der mir mein Leben vorgelebt und mir Impulse mit auf den Weg gegeben hat. Aus denen schöpfe ich auch heute noch meine Kraft und meine Inspiration. Ich habe schon mehr von der Welt gesehen als viele andere. Dafür bin ich meinem Vater sehr dankbar.

Das Krüger-Reise-Gen. Ist das vererbt?

Ich glaube ja. Man sagt ja immer: Die Krügers sind Reisende, die nie ankommen wollen. Das Leben ist ja auch eine Reise. Sie haben nicht nur in Afrika, Spanien, Italien und den USA gelebt. Wo fühlen Sie sich heimisch?

Ich fühle mich überall auf der Welt zu Hause. Zu Hause ist für mich dort, wo man geliebt wird. Ein lustiger Zufall ist: Ich lebe jetzt genau dort, wo mein Vater geboren wurde: in Berlin-Biesdorf. Das Leben ist schon sehr spannend.

Wo möchten Sie irgendwann noch wohnen?

Meine Frau und ich haben den Traum, irgendwo am Wasser zu leben. In einem kleinen Häuschen, ganz einfach, wo man nur die Badehose, ein T-Shirt und Flip- Flops braucht. Am liebsten in Europa. Ich möchte dann gerne auch ein Boot haben. Wir haben in Berlin an der Spree ja auch noch unser Boot, die „Namasté“. Ein alter Holzkahn mit Kajüte, Baujahr 1977. Da haben wir letzten Sommer viel Zeit auf dem Wasser verbracht.

Es heißt, dass Sie von jeder Reise etwas mitbringen. Welche Souvenirs finden sich in Ihrem Haus?

Ich bin ein Jäger und Sammler. Wenn ich bestimmte Dinge sehe, muss ich sie einfach mitnehmen. Das ist so ein Krüger- Ding! Aus Kuba habe ich Bilder mitgenommen. Aus Afrika Pfeile und Buschmesser mitgebracht. Aus Myanmar und Laos so gar Tempeltüren. Jedes Teil hat seine Geschichte.

Auf Ihrem Reise-Blog schreiben Sie: „Ich kann euch sagen: Wer in der Wildnis weiß, wie er überlebt, hat im Leben nichts zu befürchten.“ Ist das so?

Ja. Man taucht in eine Welt ein, die nicht die eigene ist. Das ist das Zuhause von sehr vielen Tieren und du bist ein Teil davon. Das heißt, du musst dich unterordnen und lernen, dich dementsprechend zu verhalten. In der Tierwelt geht es viel um Respekt. In der heutigen Gesellschaft geht Respekt komplett verloren. Respekt ist etwas, womit ich aufgewachsen bin. Respekt finde ich heute selten unter Menschen. Unter Tieren fühle ich mich deshalb weniger einsam als unter Menschen.

Den Bericht findet Ihr in der aktuelle Ausgabe von „BILD Reisemagazin“. Out Now !

 

 

 

 

4 thoughts on “„Mein Leben ist eine Reise“ Zeitungsbericht

  1. Ein Reisender – wie Dein Vater – neugierig auf die Welt und auf alles, was diese im Innersten zusammen hält. (frei nach Goethes „Faust“)
    Deine Eltern haben Dir „Wurzeln und Flügel“ verliehen:

    Hardy-im-Glück … in allen Ecken dieser Welt zuhause. Hänschen hat resigniert – Dir kann das so nicht passieren. Aufgeben ist für Dich keine Option. Du stehst immer einmal mehr auf … Du dampfst duch die Gassen, hast aber im Gegensatz zum „Hänschen“ – die nötige Muße, den Mut und den Tiefgang, um meisterhaft zu wirken. Du lässt Dich vom Leben nicht kleinkriegen – und das Schöne ist, Du bist nicht allein!!!

    ♥ ♥ ♥

  2. *** Deine Worte sind Balsam für meine Seele! ***

    Mein „Happy Place“:
    Ein Ort, wo es sonnig ist, ich regelmäßig am Wasser spazieren gehen kann, die warme Erde unter meinen Füßen spüre und reine Luft atme … „Hier bin ich Mensch, hier darf ich‘s sein!“

    Goethes „Osterspaziergang“ beschreibt treffend das Lebendig-werden der Natur – das Erwachen allen Lebens aus dem Winterschlaf.

    Ibiza habe ich z. B. intensiv erlebt. Die Erinnerung an mein Leben dort (ca. 3 Jahre) gibt mir auch gegenwärtig sehr viel Kraft. Orte, an denen man sein Herz öffnen kann und sich mit der Natur verbindet, wirken wie Ladestationen für unsere Seelen – und das vollkommen kabellos, aber auf keinen Fall selbstverständlich – Europa habe ich schon sehr intensiv bereist, die Dominikanische Republik durfte ich ebenfalls in ihrer ganzen Schönheit kennenlernen. Mein Bruder machte seinen Pilotenschein in Texas und ich war an Bord, als er das erste Mal mit Passagieren fliegen durfte. Dieses gute Gefühl mit der kleinen Piper Aero abzuheben, auf den Highway zu zufliegen und die Wolkenkratzer von Dallas zu umkreisen, habe ich so bewusst wahrgenommen, dass es sich anfühlt, als ob es gestern gewesen wäre. Ich bin zwar in Persona noch nicht soviel herum gekommen wie Du, lieber Hardy, aber ich lese sehr viel und schreibe unglaublich gerne. Da fällt mit gerade ein weiteres meiner Lieblingsbücher ein: „Tintenherz“ … Bibliotheken (in unserem digitalen Zeitalter natürlich auch Mediatheken) dienen als Tor zur Welt. Ich liebe die Berichte von Deinen Lebensreisen. Wenn ich Deine/Eure Texte lese, dann habe ich gedanklich meinen Rucksack gepackt und bin mit euch unterwegs. Meine Liste der „Must-sees“ ist lang – Neuseeland steht ganz weit oben – mal sehen, was ich in diesem Leben noch abhaken kann … Reiselust ist „ansteckend“! Jedes meiner Ziele definiere ich als Zwischenstopp. Ankommen – ausruhen – weiterreisen … mein Lebensmotto. 😉

    Habt eine gute Zeit,
    Eure Larissa

  3. Lieber Hardy Krüger Jr.
    (wenn Sie sich schon so anmelden, ich möchte Sie nicht einfach von mir aus Duzen)

    Yeay! Sie haben ihn tatsächlich hochgeladen! Vielen lieben Dank dafür! Der Bericht war sehr interessant zu lesen.

    Als ich noch jünger war, bin ich oft und gerne alleine in der Welt herum gereist. Dabei habe ich die Erfahrung gemacht, dass man/ich Menschen und Kultur so viel näher kommen konnte. Wie Sie habe ich Orte und Geschehen erlebt, an die normalerweise kein Tourist hin kommt.

Ich freue mich über Eure Kommentare! Euer Hardy