INTERVIEW mit Ricardo Angelini

Der neue Mittwoch auf meinem Blog, sind Menschen gewidmet  denen ich auf meinen Reisen, Theatertourneen oder Filmsets begegnet bin
Willkommen also beim „Mittwoch Interview“ des Monats. Heute stelle ich Euch meinen Kollegen Ricardo Angelina vor.
Seit dem 10 Februar sind wir zusammen mit Eva Maria Grein von Friedl  auf Theatertournee.
Das Stück heißt „Arthur und Claire“.
„Eine wunderbare Komödie über zwei Selbstmordkandidaten, die das Schicksal zusammenführt: Arthur, Sportlehrer und Nichtraucher, leidet unheilbar an Lungenkrebs und hat sich in Amsterdam für ein letztes „Festmahl“ ganz alleine in ein Hotelzimmer zurückgezogen. Am nächsten Tag wird er in einer Sterbeklinik seinem Leben ein würdevolles Ende setzen. Alles ist friedlich. Nur die laute Musik aus dem Nachbarzimmer stört.
Arthur geht rüber, um sich zu beschweren und macht die Bekanntschaft der jungen Claire, die gerade dabei war, sich einen Strick um den Hals zu legen.
Sofort erwachen Arthurs Lebensgeister – die Auseinandersetzung über den Sinn eines Lebens, das nicht gerade vom Glück überstrahlt zu sein scheint, mündet in den Kompromiss, den letzten Abend gemeinsam zu verbringen – in dieser herrlichen Stadt, die so viel mehr zu bieten hat als Sterbekliniken.
Am Morgen erinnern sich beide an eine rauschende Liebesnacht. War`s das jetzt? Jetzt ist es an Claire, alles daran zu setzen, Arthur zum Weiterleben zu motivieren…“
Ricardo spielt David, den Sohn von Arthur. Ricardo ist gebürtiger Südtiroler. Er spricht zwei Sprachen fließend. Deutsch und Italienisch, als Muttersprache.  Er wuchs als Einzelkind in Bozen auf und nach der Schule absolvierte er zunächst eine Lehre zum Maurer; von 1998 bis 2000 besuchte er die staatliche Berufsfachschule (Istituto Professionale) in Schlanders.
Ein Maurer und Autodidakt. Ein Handwerker, der den Wunsch hatte Schauspieler zu werden, Drehbücher zu schreiben und eigene Filme zu produzieren. Ein Kollege, der unentwegt an sich arbeitet und immer auf der Suche ist neuen Möglichkeiten zu finden, seinen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Diesen Traum ist er im Laufe unserer Tournee einen Schritt nähergekommen. Er steht vor der Kamera, spielt Theater und tummelt sich auf allen Filmfestivals dieser Welt herum, um sich mit anderen kreativen Köpfen auszutauschen.
So kam es, dass er, zusammen mit einem Freund die Idee hatte eine Internet Serie zu drehen, die jetzt sogar für einige Festivals nominiert worden ist.

HK:
Wir sind ja beide schon einige Wochen unterwegs und haben schon einige Aufführungen hinter uns. Ich finde deine Geschichte wirklich sehr interessant. Vom Maurer zu Schauspieler! Ich kenne bisher nur den Klassiker „vom Tellerwäscher zum Hollywood – Star“.  Das scheint ja eine steile Karriere zu werden. Wer Mauern bauen kann, der hat in Hollywood gute Chancen, oder?  Also Du bist in Südtirol aufgewachsen?
RA:
Ja in Bozen. An der Weinstrasse, ca 10 KM westlich von Bozen. Meine Familie lebt immer noch dort.
HK:
Wie kommt ein Maurer zur Schauspielerei?
RA:
Ich habe mit 15 ein Mauer Lehre angefangen. Nach meinem Abschluss habe ich als Maurer gearbeitet, bis ich 20 war. Dann habe ich mich für die Berufsmeisterschaft in Südkorea qualifiziert.
HK:
Ich wusste gar nicht, dass es sowas wie eine Berufsmeisterschaft der Maurer überhaupt gibt. Und das auch noch in Südkorea. Das ist wirklich abgefahren 😉 Wie kann ich mir das vorstellen?
RA:
Ich musst gegen 20 internationale Maurer antreten. Das war für mich schon eine ganz tolle Erfahrung. Der kleine Südtiroler in einer Millionenstadt.
HK:
Das glaube ich gerne. Aber warte mal, bauen die nicht mit dieses Bambusgerüsten ihre Hochhäuser?
RA:
Ja.
HK:
Wie ist das, wenn man als Maurer schon so viele Jahre auf dem Bau gearbeitet hat. Träumt man noch davon, sich eines Tages sein eigenes Haus zu bauen, oder hast du davon erst einmal die Nase voll?
RA:
Ich träume schon davon, mir eines Tages ein eigenes Haus zu bauen. Das ist cool, weil ich viel gesehen habe, was Häuser betrifft. Habe Altbauten und Schlösser restauriert.
HK:
Also was wäre denn dein Stil?  Eher alt oder modern?
RA:
Ich glaube ich würde das eher kombinieren. Alt und modern. Glas Stein und Holz.  Ein bisschen auf rustikal – mediterran mit modernen Elementen.
HK:
Das verstehe ich, das gefällt mir auch sehr gut.
Leidest du eigentlich ein bisschen, wenn du solange von Zuhause weg bist? Oder genießt du es auf Theatertournee zu sein. Viele können das ja nicht nachvollziehen, was jemanden treibt aus dem Koffer zu leben. Viele Kollegen verlassen nicht mal die Stadt in der sie leben.
RA:
Nein ich genieße das sehr. Ich war ja schon vor „Arthur und Claire“ mit einem anderen Stück unterwegs.
HK:
War das nicht „Mirandolina“, dass auch die Komödie im Bayrischen Hof produziert hat?
RA:
Ja genau. Zusammen mit Marialle Ahrens, Michele Oliveri, Peter Rappenglück und Gilbert von Sohlern.
HK:
Nun das ist ja schon eine ganze Menge. Wir sind ja auch mit „Arthur und Claire“ mit 32 Aufführungen dabei. Was kommt als nächstes?
RA:
Vor zwei Jahren, hatte ich mit einem Kumpel zusammen die Idee etwas selber zu machen. Etwas selber kreieren. Südtirol mal von einer ganz anderen Seite zeigen. Man zeigte bisher oft nur die Bauern, und die Hinterweltler. In der Zeit hat sich eine Geschichte ereignet, die uns inspiriert hatte. Monsignore Benvenuti, ein Prister der römischkatholischen Kirche, der in Rom 30 Millionen Euro unterschlagen hatte. Er arbeitete im Vatikan und hatte ganz viele Scheinfirmen über eine Nonne laufen lassen, die nichts davon wusste. Sie war seine Haushälterin. Eine Südtirolerin, die alle fünf Jahre nach Hause kam. Eines Tages, als sie wieder in ihre Heimat nach Südtirol kam, findet sie ein Stapel Briefe in ihrem Briefkasten. Unter anderem waren auch Bankauszüge dabei. Als sie diese aufmachte stellte sie fest, dass Tranfers in Millionenhöhe über ihr Konto gelaufen sind. Sie ging darauf hin zur Finanzpolizei und meldete den Vorfall.  Sie verstand nicht, warum diese Gelder durch sie transferiert worden sind. Und wohin. Sie hat das Geld auch nie gesehen. Sie arbeitet doch nur für Monsignore Benvenuti in Rom. Und so flog diese ganze Geschichte auf!
Diese Geschichte hatte uns ispieriert und wir dachten daran, was wäre wenn sowas in Südtirol passieren würde. Im kleinen Stil natürlich. Also haben wir eine Geschichte „gebaut“ und überlegten uns, ob wir nicht eine Webserie produzieren.  Tja und wir sind dann die erste Webserie in der Filmgeschichte Südtirols geworden!
HK:
Jetzt muss ich aber noch mal nachfragen. Ihr habe die Geschichte von 30 Millionen Betrüger aus den eigenen Reihen im Vatikan erzählt. Das nach Südtirol gebracht. Wäre ja nicht auszuschließen, dass die Euch das etwas übel nehmen, da in Rom, oder?
RA:
Wir haben sie ja nicht direkt angesprochen. Aber jeder weiss, wer gemeint ist.
HK:
Schlau 😉
RA:
Ja! Es ist wirklich eine tolle Geschichte geworden. Wir haben dann in der Tat fünf Folgen gedreht. Die erste Staffel heißt: „Der geheimnisvolle Koffer“. Eine Folge dauert etwa 10 Minuten. wir haben alles professionell gedreht. Ein richtiges aufwendiges Filmset, professionelle Schauspieler, super Kameramänner. Alles Leute aus Südtirol. Das war uns auch sehr wichtig.
HK:
War das eine „no budget“ Produktion?
RA:
Nein. Eine „LOW BUDGET“ Produktion. Wir haben es geschafft 55td Euro für die Finanzierung aufzutreiben. Und alle 35 Leute am Set haben auch ihre Gage bekommen.
HK:
WOW!
RA:
Jeder ist versichert gewesen. Keiner hat umsonst gearbeitet. Das war uns sehr wichtig. Weil wir alle in einem Business arbeitet, wo jeder versucht, die Gagen zu drücken und die Leute ausgebeutet werden, wo es nur geht.
Wir konnten zwar nicht hohe Gagen bezahlen, aber jeder hat in der Woche seine 1000 Euro bekommen.  Das haben wir hingekriegt.
HK:
Wieviele  Folgen habt ihr denn insgesamt gedreht ?
RA:
Bis jetzt haben wir fünf Folgen gedreht.  Die haben wir schon auf den internationalen Webserien – Festivals eingereicht. 3 Festivals haben schon zugesagt.  Wir haben diese erst vor einem Monat eingereicht. Die nächsten kommen ja noch im Laufe des Jahres. Wir sind also  beim „Miami Webfestival“, „Montreal Webfestival“ und „International Global Webfestival“ in Hollywood dabei.
HK:
Was sind denn die Kriterien um sich bei einem Webfestival zu bewerben. Ist es das Thema, die Läge eines Films oder das zu Verfügung stehende Budget?
RA:
Nein das Budget ist nicht entscheidend. Die Filme müssen mindestens 5 Minuten lang sein. Minimum sind drei Teile. Die Inhalte dürfen nichts pornografisches beinhalten.
HK:
Gibt es auch verschiedene Kategorien ? Wie z.B. Dokumentationen, Aktion und Drama ?
RA:
Ja genau. Es gibt Dokumentationen, Animation und Horror Filme. Komödien und Sience Fiction.
HK:
Ist es für dich das erste Mal, das du mit einer eigenen Produktion dabei bist.
RA:
Ja, das ist das erste Mal! Wir sind wahnsinnig stolz darauf! Das hätten wir auch nicht gedacht.  Der nächste Schritt ist, nach der Zusage, wen wir nominieren wollen. Also beste Regie, Schauspieler und so weiter.
HK:
Das gibt euch ja sicher auch die Möglichkeit, andere Produzenten kennen zu lernen. Gibt es dort auch Scouts, die neue Talente suchen und ihnen dann größere Projekte anbieten?
RA:
Ja das ist eine super Plattform um sich mit internationalen Filmemachen auszutauschen.
HK:
Die Zukunft liegt ja heute auch bei Amazon Prime, Netflix, Google und Apple, die ja Milliarden in eigen Produktionen stecken.
RA:
Ja genau. Das ist der Punkt.  Unser Drehbuchautor hat in einer Gruppe gearbeitet, von Drehbuchautoren in Turin.  Er selbst kommt auch aus Bozen. Lebt aber in Turin. Die haben nur einen Pilotfilm eingereicht und das Konzept dazu geschrieben. Als sie dieses Projekt vorgestellt haben ist Netflix auf sie aufmerksam geworden.  Drei von den 5 Autoren dieser Gruppe aus Turin, hat Netflix dann die beauftragt eine neue Netflix Serie zu konzipieren.  Die haben ein Jahr Zeit etwas zu entwickeln, werden bezahlt und wenn es dann einschlägt, werden sie dann von Netflix übernommen.
HK:
Super ! Ich bin ja ein „Netflixer“. Die Serien, die sie produzieren sind wirklich unglaublich gut gemacht.  Das ist die Zukunft. Wer also gute Stoffe entwickeln und schreiben kann, der hat gute Karten, viel Geld zu verdienen. Denn alle suchen nach guten Geschichten.
RA:
Was mir an der Webserie gefallen hat, ist das dir niemand reinquatschen kann. Du machst einfach dein Ding. Wir haben alles selber gemacht. Die Location gescouted, das Casting gemacht.
HK.
Das ist aber eine Menge Arbeit. Viel zu organisieren und planen!
RA:
Ja. Das war zwei Jahr lang mein zweiter Job. Jede freie Minute haben wir an dem Projekt gearbeitet. Das war wahnsinnig!
HK:
Und nebenher, hast Du noch gedreht und Theater gespielt?
RA:
Ja genau. Der Vorteil ist allerdings, dass man als Schauspieler viele Leute kennt und sie auch direkt ansprechen kann. Viele Kollegen haben auf solche Projekte auch Lust und machen gerne mit.
HK:
Was können wir denn als nächstes von Dir sehen?
RA:
Jetzt kommt auf DVD „die Pfefferkörner“ heraus. Dort habe ich den Komissar Battini gespielt.  Jetzt war ich gerade in der Serie „Held“ mit Kai Schumann zu sehen. „Bella Germania“ kommt jetzt auch raus. Dort habe ich auch eine kleine Rolle gespielt.
HK.
Also ein rastloser Geist, der auf allen Kanälen zu sehen sein wird. Kino, TV, Web und Bühne.  Also ich denke die Mauern müssen jetzt in Südtirol wohl andere bauen.
Ich danke dir für das erste Interview auf meinem Kanal 😉 Und freue mich auf die letzten Vorstellungen mit dir und Ev !
Es sei ja auch noch zu erwähnen, dass wir im November / Dezember in der Komödie im Bayrischen Hof / München mit „Arthur und Claire“ zu sehen sein werden.
RA:
Ja ich freue mich darauf

 

 

 

Ricardo Angelini

 

 

Hier noch ein paar Informationen und Kontaktdaten:

 

5 thoughts on “INTERVIEW mit Ricardo Angelini

  1. Lieber Hardy…das ist eine gute Idee mit Deinem neuen Mittwoch.Interessant und unterhaltsam.Das Interview mit Ricardo finde ich gut .Es ist schön, mal mehr über ihn zu erfahren.Über seinen Lebensweg, seine Projekte.Ich bin ihm ja in Menden backstage auch kurz begegnet.Ein überaus freundlicher, sympathischer junger Mann. Er macht ja wirklich schöne interessante Sachen.Die Art wie Du auch selbst erzählst und auch wie Du jetzt das Interview geführt hast , gefällt mir sehr.Ich bin sicher Dein neuer Mittwoch kommt gut an.Heute war es jedenfalls super.Wünsche Dir ein wunderschönes Wochenende und lieben Gruß an Ricardo. Übrigends meine Tochter heißt Ricarda, eine Namensverwandte.

  2. Guten Abend Hardy,
    ist das eine coole Idee. So ein lockeres Intetview… es hat mir echt Spaß gemacht in der abendlichen Stimmung das Interview zu lesen. Ich bin auch schon sehr gespannt wer der nächste sein wird.
    Man hatte das Gefühl, in eurer Runde zu sitzen…
    Genießt den Abend… Nachti

    Steffi

  3. Ich muss schon sagen, Hardy, du hast ein richtig großes Talent, Interviews zu führen… das ist richtig schön geworden. So natürlich, offen und ungezwungen… Keine unnatürlich gestellten Fragen… Eine wundervolle Lockerheit und Beschwingtheit hat das Interview…. Das macht Spaß zu Lesen! …. mach bitte weiter so, Deine Talente scheinen unendlich zu sein…. Ganz liebe Grüße Diana…. Chapeau…

  4. Guten Abend Hardy,

    es ist wirklich eine coole Idee, dass Du jetzt auf Deinem Blog auch noch Interviews machst! Interessantes und informatives Interview mit Deinem Kollegen Ricardo Angelini !

    Ich freue mich schon auf Interview Nr. 2 und darauf welcher Person Du als nächstes Fragen stellst! Weiter so – war sehr unterhaltsam.

    Weiterhin viel Spass mit Deinem nächsten Interview-Partnern und ich wünsche Dir einen schönen Abend!

    Liebe Grüße

    Brigitte

Ich freue mich über Eure Kommentare! Euer Hardy