„TRAVEL“

 

 

Ponta Delgada

imageAuf der Insel San Miguel…  (Was für schöne Namen) Es ist die Hauptstadt der Azoren und befindet sich mitten im Atlantik. Portugiesisch spricht man hier. Eine schöne Sprache, die man aber leider kaum versteht, weil sie nicht vergleichbares hat zum italienischen, spanischen oder irgendeiner anderen mir bekannten Sprache. Freundliche Gesichter und nette Menschen begegnet man hier. Ein Schiff brachte mich hier her. Es wurde 1991 in Japan gebaut. Die alte Dame, sie heißt Amadea, hat sich gut gehalten. Sie schipperte die ganze Nacht über große Wellen hier her und selbst die Kellner auf dem Oberdeck beim Frühstück – morgens um sieben – waren fröhlich. Ich muss ziemlich blöd geschaut haben, als der philippinische Kellner mir Kaffee einschänkte und dabei „Feelings“ vor sich hin sang. Was für ein Morgen. Die Wellen steckten mir noch in den Knochen und dieser Kerl singt  „Feelings“ so früh am Morgen, nach so einer Nacht! Respekt! Die See hat sich mittlerweile beruhigt und im Hafen ist es noch still. So wie die Menschen hier in dieser kleinen Stadt, die langsam lebendig wurden, als ich von Bord ging, um frische Landluft zu schnappen.

Glückselig ist doch der, der nicht nur mit der Seele reisen darf …

Ich vermisse diesen Hafengeruch von Boten und Fischern. Es ist alles sehr sauber und ruhig. Kein geschäftiges Treiben morgens Früh, wie man das so kennt, wenn die Fischer mit vollem Fang in den Hafen zurück kehren und das laute Geschrei der Fischverkäufer die morgendliche Ruhe erfüllt. Früher gab es Walfänger hier. Heute ist das grosse Säugetier wohl zu Freund geworden. Bootsausflüge zum den Walen kann man hier buchen mit Schiffen, die umgerüstet wurden, um die Touristen zu transportieren und ihnen mit Boote, die jetzt „Mobydick“ und „MagicSee“ heißen, die wunderbare Tierwelt des Meeres nahe zu bringen. Sie müssen es ja wissen, die ehemaligen Walfänger und Fischer, die den letzten Wal Ende der 80er Jahren gefangen haben, bevor das Gesetz erlassen wurde, Wale zu schützen. Ich freue mich über diesen Umstand, dass diese wunderbaren Kolosse, dem Fischern wohl verziehen haben und trotz allem, den Weg in diese kleine Bucht finden. Ich denke mir nur, was für ein Recht sich der Mensch oft rausnimmt, eine Welt zu zerstören, die nicht mal seine eigene ist. Ohne jeglichen Respekt vor Tier oder Natur bewegt er sich wie ein dummer Tollpatsch und hinterlässt meistens nur ein Haufen Scherben. Wenn es ein „Karma“ für die ganze Welt gäbe, möchte ich nicht wissen, als was wir wieder geboren werden würden.
Ich laufe durch die kleinen Strassen von Ponte Delgado und genießen den festen Boden unter meinen Füßen. Don Quijote kommt mir in den Sinn, als ich diese alten Kirchen im manuelinischen Stil des frühen 16.Jahrhunderts ansehe. Die Geschichte von Don Quijote und seinem dürren Gaul „Rosinante“ kenne ich schon aus meiner frühen Kindheit, gehört aber eigentlich nach Spanien. Wie komme ich nur darauf ? Vielleicht deshalb, weil die alte Lady „Amadea“ mit den Wellen kämpfte wie einst Don Quijote gegen die Windmühlen! Gottseidank war sie schneller, als der Esel „Rosinante“.
So da war ich nun. Wie Don Quijote´s Knappe kam ich mir vor, als ich durch die Strassen lief. Sancho Panza hieß er. Ein kleiner verrückter Kerl mit gesunden Menschenverstand, so wird er in der Legende beschrieben. Er durchschaut die Narrheiten seines Herrn, leistet ihm aber trotzdem die Gefolgschaft. Ja so wie ich hier gerade.
Dieser Tag hatte wieder diese Sonntagsmelancholie. Es war allerdings ein Wochentag. Vielleicht ist das so hier in Portugal. Vielleicht geht es den Menschen hier, wie Belushi in dem Film „ Ewig grüßt das Murmeltier“… Sie wachen immer am selben Tag auf. Alles bleibt gleich und wiederholt sich, ohne sich zu verändern. Ich muss lachen bei dem Gedanken. Lauter Belushis hier.
Ich kam an einem Laden vorbei, der Kleider und all mögliche Dinge verkaufte. Vom Style her war es eine Mischung aus „Cine Noir“ und einem Secondhandlanden in Berlin Kreuzberg. In dem Schaufenster in dieser kleinen Seitengasse stand eine Puppe. Halb bekleidet mit einem Mantel, der Rot und Blau gestreift war. Dazu ein Schal aus Pelz. Das alleine war schon unfassbar komisch. Zu dieser Jahreszeit an einem Ort, wie diesem. Direkt an der  Fensterscheibe mit zwei Streifen Tesafilm beklebt, eine Packung, auf der eine halbnackte, blonde Schönheit in einem Nylon-Cat-Suite zu sehen war. Ich war überrascht, wie dieses Ding den Weg hier an diese Scheibe fand.
Es gab die sogar in zwei verschiedenen Ausführungen. An der gegenüberliegenden Seite, da wo die Männermode zu sehen war, hing das Gegenstück. Diesmal war es eine Brünette, die sich auf einer Motorhaube räkelte. Es war sicher kein Verkaufsschlager. Der Staub auf der Oberkante war deutlich zu erkennen. Das Foto stammt sicher aus den 70gern.
Nun ist mir aufgefallen, dass die jungen Damen hier in den Straßen von Ponta Delgada  sehr hübsch sind. Sie haben freundliche Gesichter die Dich sehr neugierig ansehen und ab und an schenken sie dir auch ein kleines Lächeln.
Je älter sie werden, desto männlicher werden ihre Züge allerdings. Die Vorstellung sie dann in einem dieser Cat-Suits …. Gut! Lassen wird das…

„Louvre Michaelense“ – ein kleines Schmuckstück
Bevor ich wieder weiterziehe und diese Insel verlasse, möchte ich ins „Louvre Michaelense“. Das ist ein kleines Schmuckstück, erzählt man sich hier. Anfang des 19. Jahrhunderts war das wohl ein Hutladen eines französischen Auswanderers. Berühmt sei er gewesen und heute ist er wegen seiner Backkunst berühmt.

Das „Louvre Michaelense“ ist wirklich ein Highlight! Den Cappuccino, den ich bekam, war der Beste, den ich seit langem getrunken habe. Der alte Mann mit dem ich ins Gespräch kam lebte hier schon seit über 50 Jahren und hatte noch viele Geschichten zu erzählen. Allerdings musste ich weiter und so beendete ich das nette Gespräch und zum Schluss, als er mir zum Abschied die Hand gab, sagte er zu mir: „Ich wünsche Dir eine schöne Weiterreise, mach es gut und bleib gesund. Wenn Du mal wieder auf der Insel bist, dann komm vorbei und frage nach Sancho!“ Das Leben ist doch immer wieder wunderbar…

„Horta“

In Horta war ich gerade.So heißt die Hauptstadt der Insel Faial, die zu den Azoren gehört. Als die Maschine die aus Lissabon gestartet war, nach knapp zwei Stunden auf der kleinen Landebahn aufsetzte, schaute ich aus dem Fenster und hatte zuerst das Gefühl, ich sei in Schottland. Raue Klippen, grünes Gras… Kühe und Schafe. Die Palmen irritierten mich ein wenig, sie passten zuerst gar nicht in das Bild. Kleine bunte Hauser entlang der Klippen. Das Wetter passte auch eher zu Schottland. Es ist grau, die Wolken hängen tief und es regnet leicht. Die Insel scheint noch zu schlafen. Ich sehe keine Menschenseele in den kleinen Strassen. Es ist ein ein ganz gewöhnlicher Wochentag, aber die Insel hat wohl davon noch nichts mitbekommen. Vielleicht interessiert sie das hier auch gar nicht. Sie ist  ja weit genug weg, von dem Treiben einer Großstadt wie Lissabon, Malaga oder Barcelona. Wenn man nicht hier geboren wurde, so treibt es sicher nur Schriftsteller oder Maler auf diese knapp 180 Quadratkilometer große Insel. 2500 Seelen sollen hier leben. 5 von Ihnen habe ich schon kennen gelernt. Da war der Portier des Hotels, die freundlichen Rezeptionistinnen und der stumme Taxifahrer. Ab und an kommen hier auch ein paar Weltumsegler vorbei und freuen sich über nette Gesellschaft in der berühmten Kneipe im Hafen von Horta „Peter´s Café Sport“. Als ich da vorbei schaute, saß ein Segler alleine in einer Ecke und trank einen Tee. Kein Wunder bei dem Wetter. Er kam aus Australien erzählte er mir und freute sich sichtlich etwas Gesellschaft zu haben. Die Nacht wollte Tom noch hier bleiben und warten, bis sich der Sturm auf See gelegt hat, damit er seine Reise fortsetzen kann. Über den Atlantik wollte er fahren, alleine mit seinem Segelboot. Ich liebe die Einsamkeit auch sehr, aber vor diesem Mann ziehe ich meinen Hut! Was treibt wohl einen Mann an, alleine die Welt zu umrunden? Das Abenteuer? Klar!

“ Man muss nur einen Traum haben und sich darauf konzentrieren“,

Aber diese Strapazen. Wieviel von ihnen mussten aufgeben oder sind sogar mit ihrem Boot gesunken. Francis Drake, war wohl der erste Weltumsegler 1596, erzählte er mir, als wir dem Kai entlang laufen. 2010 schaffte es sogar eine 17  Jährige! Ganz alleine! Sieben Monate war sie unterwegs und kämpfte sich durch die Wellen mit Ihrer „Ella’s Pink Lady“.  Ich bin sprachlos und fasziniert zugleich! „Man muss nur einen Traum haben und sich darauf konzentrieren“, sagte sie nach ihrer Ankunft. Ich frage mich, welchen Traum dieser Segler Tom wohl hatte, der mir anvertraute, das er ein „Reisender ist, der gar nicht ankommen will“. Er ist am glücklichsten, wenn er seine Nase in den Wind halten kann, auf seinem Boot – alleine! Ich war neugierig und fragte Ihn, ob denn niemand auf ihn warte, da unten in Australien? „Oh doch“, sagte er. „Frau und Kinder warten“. Er ist ein Abenteurer und Segler. Das ist sein Leben und sie lieben ihn dafür. Sie können es aber kaum erwarten bis er wieder bei Ihnen ist. Der Blondschopf, der eher aussieht wie ein Surfer aus Maui, verabschiedete sich von mir und verschwand in der Kajüte seines kleinen Segelbootes. Seine Familie hätte da auch wirklich keinen Platz gehabt, dachte ich mir.

“ ich bin ein Reisender, der nicht ankommen will“

Auf meinem Rückweg schaute ich mir all diese Zeichnungen und Malereien an der Kaimauer an. Diese Kameraden waren alle so glücklich, dass sie es bis hier her geschafft hatten, dass sie sich auf der Mauer verewigt haben. Nicht wissend, ob sie es schaffen den „großen Teich“ zu überqueren.  Was für ein Höllentrip Tom da vor sich hat, dachte ich mir.

Ich muss allerdings zugeben, dass ich ihn auch ein wenig beneide, um dieses Abenteurer und sein Boot. Er hat eines: „Ein Zuhause!“ Ein Zuhause ist der Ort, an dem man verstanden wird.

Kommt nächste Woche mit nach Barcelona ! Da gibt es dann ein „update“ zu meinem letzten Artikel …

6 thoughts on “„TRAVEL“

  1. Hallo ! Muss nochmal kommentieren …Bei diesem Bericht , musste ich an mehrere Personen von meiner Familie denken , ob sie Abenteurete sind , denke schon ein bisschen ! Da ist mein Mann Fernfahrer – 3/4 Wochen Europaweit unterwegs , der mir hier vorschwärmt was er erlebt hat und was für Leute er getroffen hat . Viele Freundschaften sind so entstanden ! Er hat zuhause uns , mich und unsere 3 Kinder die warten fragen wann er wieder kommt , traurig sind , wenn es Abend wird und sich freuen wenn er dann da ist … und dann auch wenn er nach , meist 1 Woche wieder losdüst … Er wollte wegen uns aufhören aber ich weiß er wäre nicht mit einem Bürojob glücklich geworden … Also soll er von Ort zu Ort fahren und uns berichten ….im LKW passen wir auch nicht alle rein Irgendwann werde ich mitfahren !
    Und ich denke an meine Tante und Onkel , die das Abenteuer gewagt haben von Österreich nach Amerika mit dem Schiff in ihr „neues Leben“ zu starten … sie sind immer noch da und sind mittlerweile in ganz Amerika , bis oben nach Alaska verteilt ! Und mein Abenteuer war , das ich sie schon alle mal besuchen konnte Schöner Bericht ! Gruß Nadine

  2. Sehr schöner Bericht und tolle Fotos! Komme gerade aus Barcelona und bin gespannt auf Dein Update über diese bezaubernde Stadt. Hab` noch eine schöne Zeit!

  3. … sehr schöne Geschichte und emotional bewegend geschrieben :-*
    für mich fühlt es sich – auf einer tieferen Ebene – an, wie die individuelle Geschichte einer jeden Erdenseele auf der Reise zu sich selbst … um tief in der eigenen Herzensliebe & Seelenweisheit anzukommen … “ feels like coming home“ <3

  4. Hi! Toller Reisebericht: mit viel Gefühl, viel Liebe zum Detail und mit Herzblut. Wunderbares Kopfkino!! Letzter Absatz stimmt mich sehr traurig und wirkt sehnsüchtig…… würde ich dich kennen, würde ich dich drücken…. „ein Zuhause“ – braucht die Seele….
    LG

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